Umfrage Konsumentenschutz heute - Folge 3

veröffentlicht am 02.07.2020

587.000.000 kg Lebensmittel werden in Österreich jährlich weggeschmissen. Da vor allem Fleisch, Fisch und Milchprodukte entsorgt werden, ist davon auszugehen, dass jedes Kilogramm dieser Lebensmittel einen enormen Ressourcenverbrauch hatte, der unser Klima und unsere Umwelt belastet.  

Bei dieser Zahl ist die Verschwendung in der Landwirtschaft noch nicht enthalten (Studie WWF aus Oktober 2019). Die tatsächliche Menge könnte daher noch um einiges größer sein.

So verwundert es nicht, dass dieses Thema nur um eine Nuance für weniger wichtig erachtet wird als die Nachhaltigkeit von Produkten. Die Summe der Antworten, die  den Kampf gegen Lebensmittelverschwendung durch die Konsumentenpolitik als "wichtig" bzw "eher wichtig" ansahen, war dieselbe wie beim Thema Nachhaltigkeit von Produkten. Insgesamt 70 % der Teilnehmer/innen an unserer Umfrage halten den Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung für sehr wichtig und weitere 21% für eher wichtig. Sehr wichtig ist dieses Thema vor allem für Frauen. Nur 2% der Befragten fanden dieses Thema gar nicht wichtig.


Wir unterschieden bei unserer Befragung zwischen jenen Themen, die in Zukunft für die Konsumentenpolitik relevant sein sollten und jenen, die die Befragten persönlich als wichtig erachteten (siehe Folie in Folge 1). Bei der persönlichen Betroffenheit der Befragten wurde das Thema Lebensmittelverschwendung 8 Prozentpunkte hinter der nachhaltigen Produktion gereiht, war aber ebenfalls an zweiter Stelle der Wichtigkeit. 

Die Güte und Qualität von Lebensmitteln hat in Österreich einen hohen Stellenwert. Grundsätzlich erkennt man auch den "Wert" von Lebensmitteln. So langten auch zu diesem Thema zahlreiche gute Ideen bei uns ein. Unsere Teilnehmer/innen sahen dabei sowohl Maßnahmen für die Lebensmittelindustrie als auch für Konsument/innen als gerechtfertigt an und schlugen neben gesetzlichen Maßnahmen  auch Schulungsmaßnahmen  vor.

Welche Ideen wir besonders erwähnenswert finden

  • kleinere Packungsgrößen; keine "nimm 3 zahl 2" Strategie 
  • Reduktion der Angebote (warum muss es 30 Früchtejoghurts geben?)
  • nicht alles bis zum Ladenschluss anbieten
  • Vorbestellungen
  • Vorausplanung mit Einbeziehung der Konsument/innen 
  • Erleichterung für Unternehmen bei Kooperation mit NGOs
  • angemessene Preise für die ProduzentInnen
  • Lebensmittel spenden
  • Restlverwertung
  • Umstellung auf eine ökologische Kreislaufwirtschaft
  • Foodsharing, zB. App "too good to go"
  • Schulungen und Infokampagnen für alle Alterstufen über die Haltbarkeit und Lagerung von Lebensmitteln
  • Bewusstsein schaffen für Ressorcenverbrauch von Lebensmitteln
  • Einkaufen mit Einkaufsliste
  • Dumpstern (das Einsteigen in Abfallbehälter um unverdorbene Lebensmittel herauszuholen) sollte belohnt werden
  • gesetzl. Verpflichtung für den Handel,
    • nichts wegzuwerfen; 
    • Abgelaufenes oder Lebensmittel, die knapp davor sind, verbilligt herzugeben oder zu spenden

Und was dürfen wir erwarten?

Es ist wichtig, zu wissen, dass Lebensmittel während der gesamten Wertschöpfungskette - also von der Produktion bis zu den Endverbraucher/innen - verloren gehen. Die diesbezüglichen Zahlen weltweit sind erschreckend.


Food Wastage Footprint

Auch die FAO (Food and Agriculture Organisation der UNO) hält auf ihrer Website zahlreiche Informationen zum Thema zur Verfügung.

Tatsächlich passiert bereits zumindest EU-weit Einiges, was auch von unseren Umfrageteilnehmer/innen vorgeschlagen wurde.

Österreich bekennt sich zum Ziel 12 der UN-Agenda für nachhaltige Entwicklung (SDG), wonach es ua. zu einer 50%-igen Reduktion der Lebensmittelabfälle bis 2030 über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg kommen soll. Aus diesem Grund wurde für die Jahre 2017 bis 2030 eine Vereinbarung mit unterschiedlichen Stakeholder und den Lebensmittelunternehmen getroffen. Der Maßnahmenplan dieser Vereinbarung ist sehr konkret und beinhaltet Verpflichtungen wie Kooperationen mit sozialen Einrichtungen, Weitergabe von abgelaufenen Lebensmitteln als Tierfutter oder regelmäßige Schulungen der Mitarbeiter/innen zur Reduktion von Lebensmittelabfällen. Darüber hinaus ist die Masse der "ausgebuchten" Lebensmittel zu erfassen, zu kategorisieren (menschlicher Verzehr, Verfütterung, Entsorgung) und darüber Bericht zu legen. Alternative Maßnahmen wie das Anbieten von Obst und Gemüse der Güteklasse II oder von Brot vom Vortag oder Entsorgung von Obst und Gemüse über die Biotonne ergänzen die Vereinbarung.

Es haben sich alle großen Lebensmittelhändler dieser Vereinbarung angeschlossen. Eine erste Evaluierung aus 2018 berichtet von hohen Erfüllungsquoten der beteiligten Unternehmen.

Nationale und europäische Initiativen im Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung

Die Regierung hat darüber hinaus dafür gesorgt, dass das Inverkehrbringen von Lebensmitteln nach Ablauf der Mindesthaltbarkeitsfrist - unter der Voraussetzung, dass dies gekennzeichnet wird - erlaubt ist. Zuständig für den Kampf gegen Lebensmittelverschwendung ist das Ressort von Leonore Gewessler, das BMK. Sie hat seit Beginn der Initiative "Lebensmittel sind kostbar!" Organisationen und Unternehmen aus den verschiedensten Bereichen eingeladen, Kooperationspartner und -partnerinnen der Initiative zu werden. Bei allen Dialoggesprächen hat sich  gezeigt, dass Maßnahmen gegen die Lebensmittelverschwendung auf allen Ebenen erfolgen müssen: Von der Produktion über die Verarbeitung, den Transport bis hin zu den Konsumentinnen und Konsumenten. Viele sind dieser Einladung gefolgt und haben sich mit ihren Aktivitäten der Initiative angeschlossen.

Auf EU-Ebene wurde die Plattform "Food Losses and Food Waste" gegründet, an der alle Mitgliedstaaten sowie die Stake-holder teilnehmen. Österreich setzt sich in diesem Zusammenhang va. für eine verbesserte Information der Konsument/innen über das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) sowie Ausnahmen von der Kennzeichnung für bestimmte lang haltbare Produkte ein.

Auch in den Schulen soll in Zukunft dem Thema größere Bedeutung zukommen.

Unser Beitrag wird jener der Aufklärung sein. Auf dieser Website haben wir bereits mehrfach über Alternativen zur Lebensmittelverschwendung berichtet und das Thema auch in unseren Unterrichtsmaterialien behandelt.


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