Die Schattenseiten der Medfluencer – Wenn Gesundheit zur Verkaufsstrategie wird

veröffentlicht am 12.03.2025

Wie fragwürdige Gesundheitstipps auf Social Media zur Gefahr werden können

Auf Plattformen wie TikTok und Instagram boomen medizinische Ratschläge von Influencer:innen ohne Fachausbildung. Doch was als Hilfestellung gedacht ist, birgt Risiken – von falschen Diagnosen bis hin zu potenziell gesundheitsgefährdenden Empfehlungen.

Was sind Medfluencer?

Der Begriff „Medfluencer“ setzt sich aus „Medical“ und „Influencer“ zusammen. Er bezeichnet Social-Media-Persönlichkeiten, die Inhalte rund um Gesundheitsthemen verbreiten. Während einige von ihnen ausgebildete Ärztinnen und Ärzte sind, fehlt vielen anderen jegliche medizinische Qualifikation. Dennoch geben sie Tipps zu Ernährung, Fitness oder mentaler Gesundheit und empfehlen oft Produkte – von Nahrungsergänzungsmitteln bis hin zu medizinischen Geräten.

Die problematische Inszenierung psychischer Krankheiten

Social Media hat psychische Erkrankungen in den Mainstream gebracht – mit positiven, aber auch problematischen Folgen. Besonders die „Sad Girl“-Narrative, die sich auf Plattformen wie TikTok verbreiten, zeigen Depressionen als eine Art romantisierte Ästhetik. Junge Frauen inszenieren sich melancholisch im Bett liegend, mit zerzaustem Haar und nachdenklichem Blick. Melancholische Musik untermalt die Szenerie, während eingeblendete Texte vermeintliche Symptome aufzählen.

Das Problem: Diese Darstellungen spiegeln oft nicht die Realität schwerer psychischer Erkrankungen wider. Sie vermitteln ein verklärtes Bild, das Betroffene unter Druck setzen kann – nach dem Motto: „Warum sieht meine Depression nicht so aus?“ Gleichzeitig kann es für junge Menschen attraktiv wirken, Teil dieser Gemeinschaft zu sein, was dazu führen kann, dass sie sich selbst vorschnell Diagnosen stellen. Expert:innen warnen, dass dadurch der Anreiz sinken kann, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Gesundheitsratschläge zwischen Profit und Gefahr

Während einige Medfluencer:innen seriöse Aufklärung betreiben, nutzen andere ihre Reichweite für kommerzielle Zwecke. Besonders problematisch sind Trends wie das anlasslose Messen des Blutzuckerspiegels mit Sensoren, die eigentlich für Diabetiker:innen gedacht sind. Solche Geräte werden von Influencer:innen als Mittel zur Selbstoptimierung beworben, ohne dass ein medizinischer Nutzen für gesunde Menschen nachgewiesen wäre. Im schlimmsten Fall kann das ständige Tracking zwanghafte Verhaltensweisen auslösen.

Hinzu kommt, dass viele Medfluencer:innen eigene Produkte vertreiben – von Kollagen-Präparaten bis hin zu Tees, die angeblich Haut, Verdauung oder Schlaf verbessern sollen. Die Grenze zwischen Information und Werbung ist dabei oft fließend, was es für Außenstehende schwierig macht, unabhängige Ratschläge von Marketingstrategien zu unterscheiden.

Die Verbreitung pseudomedizinischer Inhalte

Noch gefährlicher wird es, wenn Medfluencer:innen pseudowissenschaftliche oder gar gesundheitsgefährdende Inhalte verbreiten. Besonders Verschwörungstheorien rund um Impfungen oder alternative Krebstherapien haben sich auf Social Media etabliert. Manche Medfluencer:innen empfehlen beispielsweise hochdosierte Vitamin-Infusionen als Ersatz für eine Chemotherapie oder raten von etablierten medizinischen Behandlungen ab.

Die Folgen können dramatisch sein: Einige Patient:innen entscheiden sich aufgrund solcher Fehlinformationen gegen eine medizinisch notwendige Therapie – mit potenziell lebensbedrohlichen Konsequenzen.

Mangelnde Kontrolle und fehlende Regulierung

Obwohl Gesundheitsinhalte auf Social Media Millionen erreichen, gibt es kaum Mechanismen, um die Qualität dieser Informationen sicherzustellen. Medfluencer:innen bewegen sich oft in einem rechtlichen Graubereich – besonders dann, wenn sie gesundheitsbezogene Inhalte mit kommerziellen Interessen vermischen.

Verbraucherschutzorganisationen raten daher dazu, Inhalte kritisch zu hinterfragen: Gibt es eine medizinische Qualifikation? Werden Produkte verkauft? Und gibt es Quellen, die die Aussagen belegen? Denn eines ist klar: Ein TikTok-Video ersetzt keine ärztliche Diagnose. 

Mehr Hintergründe zum Thema finden Sie in den Artikeln von ORF Topos und der Tagesschau.

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