Inkassobüro eCollect treibt Strafen aus Italien ein

In den letzten Wochen erhielt der Verkehrsclub ÖAMTC zahlreiche Beschwerden seiner Mitglieder. Grund war die sehr offensive Eintreibung von in Italien entstandenen Verkehrsstrafen durch das Schweizer Inkassobüro eCollect.

Der Sachverhalt ist in allen Fällen gleich gelagert: alles beginnt mit einem Urlaub in Italien. Dort passieren durch Unachtsamkeit kleinere Verkehrsdelikte, zu schnelles Fahren oder Fahren durch eine verkehrsberuhigte Zone. Von Strafen erfahren die Urlauber/innen erst in Österreich und das durch zahlreiche Schreiben der eCollect, die die Forderungen massiv betreiben. Die Strafen werden durch die Mahn- und Inkassogebühren sowie Verzugszinsen empfindlich teuer. Bezahlen die Konsument/innen nicht, folgen aggressive Kontaktversuche durch Einschüchterungen am Telefon und eine SMS-Flut.

ÖAMTC informiert über die Rechtslage

Die gegenseitige Vollstreckung von Verkehrsstrafen ist in fast allen EU-Staaten möglich. Die Eintreibung öffentlich-rechtlicher Strafen ist der öffentlichen Hand vorbehalten; die ausländische Polizei muss also die österreichische Behörde um Einhebung ersuchen. Eine Geltendmachung über Inkassobüros oder Inkassoanwälte ist unzulässig. Maut- und Parkgebühren gelten aber nicht als öffentlich-rechtliche Verkehrsstrafen, sondern als zivilrechtliche Forderungen; diese können daher schon über Inkassobüros geltend gemacht werden.

Schwierig ist, dass sich in vielen Fällen die Mitglieder/innen keiner Verkehrsübertretung bewusst sind und vorab auch keine allfällige Strafvorschreibung erhalten hätten. Von einer Verkehrsübertretung muss man jedoch rechtlich korrekt über den Behördenweg informiert werden, so der ÖAMTC.

Tipps des ÖAMTC

  • Berechtigte Strafen umgehend zahlen: Wer eine berechtigte oder plausible Auslandsstrafe erhält, sollte diese bereits bei der billigsten Möglichkeit, also meist beim ersten Bescheid, bezahlen. Mitunter ist die vorgeschriebene Strafe dabei sogar reduziert.
  • Ruhe bewahren & prüfen: Von einem Schreiben eines Inkassobüros inklusive angedrohter Anzeigen bei den Bonitätsdatenbanken oder sonstigen Einschüchterungen sollte man sich nicht verunsichern lassen, sondern das Schreiben auf Plausibilität prüfen – eventuell gibt es Beweise, die die Forderungen obsolet machen, wie z. B. bereits bezahlte Strafen.
  • Dokumentieren: Sämtliche Vorgänge und Kontaktversuche sollten besser festgehalten werden – sinnvoll ist die Anfertigung von Anrufprotokollen und SMS-Screenshots. Auch die Häufigkeit der Kontaktversuche sollte notiert werden, denn die Intensität bestimmt die Verfolgbarkeit gemäß Telekommunikationsgesetz. Zwischenzeitlich die Telefonnummer des Anrufers besser sperren lassen.
  • Beraten lassen: Bei weiteren Fragen zum Vorgehen können sich Mitglieder kostenlos an die ÖAMTC-Rechtsberatung wenden. Infos unter www.oeamtc.at/rechtsberatung.

 Quelle: ÖAMTC, www.oeamtc.at 

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