Nachhaltige Produktion – nachhaltiger Konsum

"Unter nachhaltiger Entwicklung verstehen wir eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generationen entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen". 

Diese Definition, die sehr häufig zitiert wird, entstammt dem "Brundtland-Bericht" (1987), der von der "Weltkommission für Umwelt und Entwicklung" veröffentlicht wurde. Benannt wurde er nach der ehemaligen norwegische Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland, welche diese Kommission geleitet hatte. Das Papier war die Basis des UNO-Gipfeltreffens für Umwelt und Entwicklung im Jahr 1992 in Rio und wurde dort weiter entwickelt.

Nachhaltigkeit und Umwelt

Das Prinzip der Nachhaltigkeit zielt hinsichtlich der Dimension Umwelt zum einen auf einen zukunftsfähigen Umgang mit den vorhandenen Ressourcen ab, indem nur deren Erträge genutzt werden, ohne dass die Substanz gefährdet - also kein "Raubbau" betrieben - wird. Das Wort „Nachhaltigkeit" stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft, wo bei einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung nur so viel Holz geschlagen werden darf, wie durch Wiederaufforstung nachwachsen kann. Doch geht es nicht nur um den Verbrauch von Energie und Rohstoffen. Die Umwelt wird auch beeinträchtigt durch Schadstoffe in Boden, Luft, Wasser und Produkten, (gefährlicher) Abfall, Lärm, Landverbrauch/Erosion oder Verlust der Biodiversität. Diese Schäden zu vermeiden ist ebenfalls Ziel der nachhaltigen Entwicklung.

Die soziale Dimension der Nachhaltigkeit

Im Brundtland-Bericht wird aber auch die soziale Dimension mit dem Schwerpunkt Entwicklungsländer stark betont, insbesondere die Notwendigkeit der Bekämpfung von Hunger und Armut (auch durch Umverteilung des Reichtums), der Drosselung des Bevölkerungswachstums, der Verhinderung der Diskriminierung (z.B. Frauen, indigene Völker). Im Lichte der Erfahrungen mit der Globalisierung können wir hier auch den Bereich Schutz der Arbeitnehmerinnen/Arbeitnehmer vor Ausbeutung (z.B. Arbeitsnormen der ILO) oder ganz generell die Einhaltung der Menschenrechte anführen. In den entwickelten Ländern führt die wirtschaftliche Krise auch zu sozialen Umschichtungen wofür man Kriterienkataloge auf höherem Niveau bräuchte (z.B. verstärkte Beschäftigung von jugendlichen, älteren oder behinderten Arbeitskräften, Gleichstellung, etc.).

Die ökonomische Dimension der Nachhaltigkeit

Die ökonomische Dimension - Wirtschaftliche Entwicklung bzw. Wachstum, vor allem in Hinblick auf die Länder des Südens - war eine weitere Säule des Berichtes. Auch wenn wirtschaftliches Wachstum heute etwas differenzierter zu sehen ist (jedenfalls in den hoch entwickelten Ländern) und nicht-nachhaltige ökonomische Verhaltensweisen - etwa im Finanzbereich zum Beinahe-Zusammenbruch des Finanzsystems geführt haben - in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt sind, ist es unbestritten, dass die ökonomische Dimension eine Säule der Nachhaltigkeit ist, oder besser gesagt sein sollte, da unser heutiges Wirtschaftssystem, welches auf Wachstum und Profitmaximierung beruht der Nachhaltigkeit kaum förderlich ist. 

Idealer Weise werden die drei Säulen Ökologie, Ökonomie und soziale Gerechtigkeit gleichrangig bei der Beurteilung der Nachhaltigkeit herangezogen.

Soweit so gut. Bloß - was bedeutet das konkret? Zweifelsohne ist es ein gravierender Nachteil dieses Konzeptes, dass es weitgehend abstrakt bleibt und eine vielfältige Auslegung möglich ist. Unternehmen bombardieren Verbraucherinnen/Verbraucher mit Nachhaltigkeitsbotschaften und -berichten, die kaum nachvollziehbar sind. Eine schwer überschaubare Vielfalt an Zeichen wurde erfunden, um die Konsumentinnen/Konsumenten zum Kauf zu motivieren.

Doch deren Vertrauen in diese Botschaften hält sich - zurecht - in Grenzen. Die behauptete Nachhaltigkeit wird mit verschiedenen Methoden gemessen und scheinbar objektiviert. Doch das gelingt nur zum Teil. Es gibt schlicht und einfach kein Instrument und keine Skala zur Messung der Nachhaltigkeit (die eine Art Gesamtpunktezahl liefert). Es werden bestenfalls Teilsysteme erfasst (z.B. Umweltkriterien beim Umweltzeichen).

Fußabdruck als aussagekräftiger Wert?

Neuerdings hat man verschiedene Arten des sogenannten "Fußabdruckes" (ökologischer Fußabdruck, Umweltfußabdruck, Kohlenstofffußabdruck, etc.) samt zugehörigen Kennzeichnungssystemen auf der Basis einer Betrachtung des Lebenszyklus (Rohstoffgewinnung bis Altstoffentsorgung) entwickelt. Man sagt, es handle sich dabei um Wissenschaft. Methodisch sind sie aber alle - aus verschiedenen Gründen - fragwürdig, beruhen auf vielen subjektiven Annahmen bzw. Modellen, liefern Zahlen, die nicht belastbar und - vor allem - kaum überprüfbar sind.

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