Verpflichtende Herkunftsbezeichung bei verarbeiteten Lebensmitteln

Weil außer Home-office in den letzten 4 Wochen nicht viel erlaubt war, haben sich so Manche mehr als sonst auf das Einkaufen konzentrieren können. Während in Vor-Corona-Zeiten der gehetzte Einkauf nach der Arbeit zu schnellen, vielleicht nicht immer achtsamen Käufen führte, kaufen wir jetzt - weil mehr Zeit vorhanden - oft bewusster und aufmerksamer im Hinblick auf Regionalität, Nachhaltigkeit oder Fairtrade ein.  

Regionalität von Lebensmitteln ist ein wichtiges Kaufkriterium, denn wir verbinden damit kurze Transportwege, Qualität, Hygiene, Gesundheit und heimische Wertschöpfung.

Insbesondere bei verarbeiteten Lebensmitteln konnte man in der Vergangenheit allerdings nicht sicher sein, woher der Hauptanteil eines Produkts wirklich stammt: Denn nach bisherigem EU-Recht galt jenes Land als Ursprungsland, in dem der letzte wesentliche Verarbeitungsschritt erfolgt ist. Wurde also in Österreich Marillenmarmelade gemacht und abgefüllt, konnte es trotzdem sein, dass die Marillen aus Ungarn stammten.

EU-Verordnung regelt die verpflichtende Herkunftsbezeichnung seit 1.4.2020

Dass wird sich nun ändern:

Die Tatsache, dass in unserem konkreten Fall die Marillen aus Ungarn stammen, obwohl die Aufmachung des Etiketts ein österreichisches Produkt vermuten lässt, muss mit 1. April 2020 sichtbar am Etikett zu lesen sein.

Die EU-Verordnung schreibt vor:

Wird die Herkunft eines Lebensmittels unmittelbar durch Text oder mittelbar durch bildliche Elemente angegeben, stammt dessen Hauptzutat jedoch aus einem anderen Gebiet, ist verpflichtend deren Ursprung anzugeben.

Dieser Hinweis darf nicht bloß im Kleingedruckten auf der Rückseite des Produkts angebracht werden, sondern muss im selben Sichtfeld und in derselben Schriftgröße wie die Herkunftsangabe sein. Die Verordnung verpflichtet den Lebensmittelhersteller aber nicht, das konkrete Ursprungsland zu bezeichnen. Es reichen Angaben "EU", "Nicht-EU" oder "EU und nicht-EU". 

Ausnahmen

Von der Herkunftskennzeichnungspflicht ausgenommen sind lediglich geschützte geografische Angaben, wie zum Beispiel Tiroler Speck. Auch ausgenommen sind Produkte, die VerbraucherInnen nicht als Hinweis auf eine bestimmte Herkunft des Lebensmittels auffasst sondern entweder als beschreibende Bezeichnung für dessen Machart oder als Hinweis auf die Produktgattung, wie zB "Huhn Szechuan", "oder "Chili con Carne nach mexikanischer Art".

Was ist eine Hauptzutat?

Die EU definiert die Hauptzutat als jene Zutat, die über 50 % des Lebensmittels ausmacht oder die VerbraucherInnen üblicherweise mit seiner Bezeichnung assoziieren. So gelten etwa bei einem Fruchtjoghurt sowohl Früchte als auch Milch als Hauptzutat. Wird daher ab jetzt ein Fruchtjoghurt mit österreichischer Flagge beworben, bei dem die Früchte nicht aus Österreich stammen, müssen die HerstellerInnen darüber aufklären.

Verpflichtende Herkunftsangaben gibt es bereits bei Frischfleisch, Obst und Gemüse

Verpflichtende Herkunftsangaben gibt es bereits für bestimmte Lebensmittelkategorien, wie verpacktes Frischfleisch oder frisches Obst und Gemüse. 

Die Verordnung verpflichtet neben LebensmittelherstellerInnen auch Online-HändlerInnen von Lebensmitteln. Diese müssen EU-konform kennzeichnen, wenn sie online mit der Herkunft des Lebensmittels werben oder die Herkunftskennzeichnung von HerstellerInnen sichtbar übernehmen (etwa durch eine Produktabbildung). 

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