Umfrage Konsumentenschutz heute - Folge 5

veröffentlicht am 28.07.2020

Seit den 70er Jahren gibt es in der Schule das Unterrichtsprinzip Wirtschaftserziehung und Verbraucherbildung. Freilich war davon nicht viel zu merken, denn in den Lehrplänen wurden Unterrichtsprinzipien kaum berücksichtigt. Kein Wunder also, dass unsere Befragten das Thema nicht nur wichtig fanden, sondern auch zahlreiche Vorschläge zur besseren Verankerung des Themas vorschlugen.

Das Thema wird als wichtiger Teil einer umfassenden Konsumentenpolitik wahrgenommen und war Teil unserer Umfrage anlässlich des Weltverbrauchertags .  Auch wenn es im Ranking hinter Nachhaltigkeit und Lebensmittelverschwendung steht, hat die Umfrage gezeigt, dass 62% der Konsumentinnen und Konsumenten das Thema Verbraucherbildung für sehr wichtig, weitere 27% für wichtig erachten. Sehr wichtig ist dieses Thema vor allem für Frauen. Nur 3% der Befragten fanden dieses Thema gar nicht wichtig.

Nachhaltigkeit, © MAKAM

Welche Ideen wir besonders erwähnenswert finden

Viele von Ihnen sprachen sich für eine verpflichtende Einbindung der Verbraucherbildung im Lehrplan aus.

Darüber hinaus fanden wir folgende Vorschläge interessant:

  • Aufklärung und Bewusstsein schon im Kindergarten schaffen
  • sinnlicher Unterricht - mehr Kochunterricht mit viel Selbstorganisation und Management durch die Schüler
  • Tauschbörsen an Schulen
  • Zusammenarbeit mit Lernplattformen
  • In Print- Medien, im Rundfunk und in Fernsehsendungen auf originelle Weise vorzeigen und informieren, dass sich bei billigst gekauften Waren oft im Nachhinein heraustellt,  dass sie nicht dem entsprechen, was man sich vorgestellt hat. 
  • Bildungsfernsehen
  • lokale Kampagnen
  • Die Gratiszeitungen, die eher von den Unbeschwerten gelesen werden, könnten dabei mithelfen. Vielleicht wird dieser Zeitung mehr geglaubt als alle Appelle. 
  • Publikationen über social media
  • TV und Medien stärker einbinden
  • Einen einfachen Farbcode (Grün, weiß, blau) für "gesund-normal-ungesund" auf allen Lebensmitteln.  Sowie ob es ökologisch gut, normal oder schlecht (dunkelgrün, grau, schwarz) ist, das Lebensmittel zu verzehren. (ökologischer Fußabdruck).
  • Teach the teacher; Pflichtfach bzw. Seminare für angehende LehrerInnen etc

Was zu erwarten ist

In einer von Wirtschaft und Konsum dominierten Gesellschaft muss die Erziehung der Schülerinnen und Schüler zu kritischen und kompetenten Verbraucherinnen und Verbrauchern das Ziel schulischer Verbraucherbildung sein. Daher hat das Bildungsministerium nun begonnen, das Unterrichtsprinzip zu einem fächerübergreifenden Thema zu machen, das auch in die Lehrpläne einfließt. Hier wird es Aufgabe des Sozialministeriums sein, für eine Verankerung der Verbraucherbildung zu sorgen, die sich dem Thema Wirtschaft zwar nicht verschließt, sich aber klar abgrenzt und das Thema Wirtschaft aus der Sicht der Verbraucher/innen behandelt.

Damit sollten Inhalte der Verbraucherbildung auch in die Schulbücher Eingang finden. Freilich sind Änderungen nicht sofort zu erwarten: Auch die Lehrkräfte müssen sich erst in dem neuen Thema zurecht finden.

Fokus Finanzbildung

Ein spezieller Fokus im Rahmen der Verbraucherbildung liegt auf der Finanzbildung. 

Hier erweist der sogenannte "Finanzführerschein" als Erfolgsprojekt der Schuldenberatungen in Österreich. Rund 50.000 junge Menschen in Österreich sind bereits in Besitz eines „Finanzführerscheins“. Das vor über zehn Jahren zunächst in Vorarlberg und Oberösterreich entwickelte modulare Finanzbildungsprogramm haben andere Bundesländer (Burgenland seit 2017, Niederösterreich seit 2015) mittlerweile ebenfalls in ihr Repertoire genommen. Ab Februar 2020 bietet die Schuldnerberatung Wien in Zusammenarbeit mit der Bildungsdirektion Wien und unterstützt von der Arbeitkammer Wien an ausgewählten Wiener Schulen den "Finanzführerschein" an. Das kostenlose Angebot richtet sich in der Pilotphase an rund 500 Schülerinnen und Schüler in Wien.

Auf internationaler Ebene koordiniert die OECD die Vermittlung von Finanzbildung durch die OECD-Arbeitsgruppe INFE (International Network on Financial Education), der bereits 240 Institutionen aus 110 Ländern angehören. Zu ihren Hauptaufgaben zählt die Entwicklung von nationalen Strategien, Schulprogrammen für Kinder und Jugendliche und die Evaluierung von anderen Finanzbildungsprogrammen. Die Österreichische Nationalbank (OeNB) als Mitglied dieser Arbeitsgruppe ist für die nationale Umsetzung der Maßnahmen in Österreich zuständig. Beim regelmäßigen Finanzbildungs-Round-Table der OeNB wird eine Plattform zum Austausch und Kooperation zwischen anderen im finanzbildungstätigen Organisationen und Institutionen geboten. 

Ganz aktuell hat sich das Finanzministerium dazu entschlossen, in den nächsten Monaten eine nationale Finanzbildungsstrategie für Österreich zu entwickeln. Dieses Projekt  wird von Europäischen Kommission und der OECD als Projektpartner unterstützt. 

Hinweis in eigener Sache

In Kooperation mit der Schuldnerhilfe OÖ haben wir methodenvielfältige Unterrichtsmaterialien sowohl für die Volksschule wie auch für die 8. bis 11. Schulstufe entwickelt, die altersgerecht alle relevanten Bereiche der Verbraucherbildung abdecken. Die Materialien können über unsere Website www.konsumentenfragen.at heruntergeladen werden.

Für die Kleinsten im Kindergarten steht ein Bilderbuch zur Verfügung. Zwölf Alltagsszenen, von Raoul Krischanitz bildnerisch umgesetzt, sollen bereits die Kleinen zum Mitdenken animieren. Themen wie Konsum, Nachhaltigkeit, Energie, Umwelt werden behutsam behandelt und besprochen.

Wie Sie die Materialien im Unterricht bzw. im Kindergarten am besten einsetzen, können Sie in kostenlosen Workshops erfahren. Für die westlichen Bundesländer übernimmt das die SH Oberösterreich; für Wien, NÖ und Burgenland das Sozialministerium.

Ausstellung im Wirtschaftsmuseum - COCOLAB

Mit dem cocolab wurde - in Zusammenarbeit mit KünstlerInnen und ExpertInnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Konsumentenschutz - eine Dauerausstellung kreiert, die bewusst Jugendliche als aktive, bewusste KonsumentInnen (conscious consumer!) in den Mittelpunkt stellt. In bis zu 15 Stationen setzen sich die Jugendlichen unter Anleitung spielerisch mit der Bedeutung des eigenen Kaufverhaltens einschließlich ihrer Folgen auseinander.

Wenn Sie Interesse haben, Ihre Klasse für eine Führung anzumelden, finden Sie auf folgender Website nähere Informationen:

https://cocolab.wirtschaftsmuseum.at/



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