Mit Gottfried Mayer verliert die Konsumentenpolitik einen Vordenker und Humanisten - ein Nachruf

veröffentlicht am 15.06.2020

Am 11. Juni 2020 ist Gottfried Mayer im 74. Lebensjahr verstorben. Gottfried Mayer hat die österreichische Konsumentenpolitik auf Regierungsebene von Beginn an aktiv mitgestaltet und bis 2002 nachhaltig geprägt.

privates Foto Gottfried Mayer, © privat
Mayer war über verschiedenste Grenzen hinweg – gesellschaftspolitische, interessenspolitische, berufsgruppenspezifische – anerkannt und wertgeschätzt. Seine hohe Reputation war auch in seinem umfassenden Bildungsverständnis und diesem entsprechenden Bildungsweg begründet, - nicht in vorgegebenen Bahnen, sondern gesamthaft, humanistisch geprägt, in stetiger Weiterentwicklung: Studium der Geschichte, Germanistik und Psychologie, später der Rechtswissenschaften in Wien und Louvain (Belgien) mit wiederkehrenden Studienaufenthalten in Frankreich. Promotion zum Dr. phil. 1980. Seit 1974 war er mehrere Jahre in der Erwachsenenbildung als wissenschaftlicher Assistent am Dr.Karl- Renner-Institut tätig. Viele Jahre leitete er nebenberuflich die Volkshochschule Purkersdorf.

Seine ministerielle Laufbahn begann 1981 in der Abteilung „Preis- und Konsumentenpolitik“ im Bundesministerium für Handel, Gewerbe und Industrie, anschließend wirkte er in verschiedenen Ministerien, bis er schließlich 2000 im Justizministerium zum Leiter der neu geschaffenen Konsumentenschutzsektion bestellt wurde.

Gottfried Mayer hatte Weitblick, eine Vision von sozialem Ausgleich, Fairness und Gerechtigkeit, die ihn immer neu angetrieben haben, konstruktive und ausgewogene Lösungen zu finden. Er hat früh die Bedeutung der Finanzdienstleistungen, Gefahren der Verschuldung und die für einen sozialen Frieden notwendige Möglichkeit einer geregelten Entschuldung erkannt. Der 1995 geschaffene Privatkonkurs ist untrennbar mit seinem Engagement verknüpft. Auch das Heimvertragsgesetz, das durch die Vorgabe von Mindestvertragsinhalten die nötige Transparenz, Verständlichkeit und Vergleichbarkeit für HeimbewohnerInnen, einer besonders verletzlichen Verbrauchergruppe, brachte, hat er maßgeblich betrieben und inhaltlich mitgestaltet. An zahlreichen weiteren konsumentenrelevanten Gesetzesvorhaben war er aktiv beteiligt bzw. hat diese auch angeregt. Er hat aber auch früh erkannt, dass materielles Recht nur so gut wie dessen Durchsetzung ist. Er hat dafür gesorgt, dass der VKI die nötigen finanziellen Ressourcen für Rechtsdurchsetzung erhält, womit ein wichtiger Meilenstein für Rechtsfortbildung gesetzt war. Als interdisziplinär Denkender hat er stets auch in die Aus- und Fortbildung investiert und die Vernetzung mit der Wissenschaft gepflegt. Das eigene Tun permanent zu reflektieren, sein Denken weiterzuentwickeln und neue Wege zu öffnen, waren ihm wichtig. So hat er nicht nur eine Veranstaltungsreihe zu aktuellen verbraucherpolitischen Themen, sondern 1986 auch die Publikationsreihe "Verbraucherrecht – Verbraucherpolitik" etabliert, die bis heute aktuelle Themen der Verbraucherpolitik aufgreift. In dieser Reihe hat er das konsumentenpolitische Jahrbuch herausgegeben und selbst zahlreiche Beiträge publiziert. Schließlich war er viele Jahre einer der Autoren des Manz-Kommentars zum Konsumentenschutzgesetz.

Gottfried Mayers Wirken war breit, kompetent, engagiert, nachhaltig und von ausgeprägtem sozialen Gewissen und Verantwortung getragen. Führungskräfte wie seinesgleichen braucht der Staat und Ausprägungen seines Amtsverständnisses würde man sich öfter wünschen.

Sein berufliches Wirken war immer auch persönliches Wirken.

Wir werden ihn vermissen.

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