Glas oder Plastik? Mehrwegflasche ist Umweltsieger

veröffentlicht am 18.05.2020

Möglichst umweltbewusst einkaufen ist vielen Konsumentinnen und Konsumenten ein Anliegen

Milch in Glasflaschen, © Photo by Jason Murphy on Unsplash
Es scheint, als ob das Umweltbewusstsein deutlich gestiegen ist: Sei es durch massive Wetterkapriolen, das Bewusstsein über die Verschmutzung der Meere oder durch die Empörung der jungen Generation über unseren Umgang mit der Umwelt, die sich in den Fridays for Future Demonstrationen ausdrückt. Die Nachfrage nach umweltfreundlichen Produkten ist deutlich gestiegen und zeigt sich auch beim täglichen Einkauf.

Nicht immer aber ist man sicher, was die ökologischste Form des Einkaufens ist. Gerade bei der Entscheidung "Glasflasche" oder "PET-Flasche" gab es in der Vergangenheit Studien, die zu durchaus unterschiedlichen Ergebnissen kamen .



Studie zur Förderung von Mehrwegsystemen
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace, die Arbeiterkammer, das Österreichische Ökologie-Institut und der Abfall-Experte Gerhard Vogel haben in der Studie “Mehrwegsysteme statt Müllberge” die Antwort gefunden.  

Die Fakten gegenübergestellt:

Mehrwegflasche Einwegflasche
 - Kann bis zu 40 Mal wiederverwendet werden und ersetzt damit 40 Einwegflaschen

- Erreicht mit Pfand eine Sammelquote von rund 95 Prozent

- Wird bei jedem Umlauf in einer Waschanlage gewaschen und wiederbefüllt

- Die Konsumentinnen/Konsumenten bringen die Flaschen zurück in die Supermärkte: dadurch sind weniger Fahrten der Müllsammlung nötig als ohne Pfand

 

 - Wird einmal verwendet und danach (unter hohem Energieeinsatz) recycelt, verbrannt oder deponiert.

- In Österreich werden nur 28 Prozent der PET-Abfälle zur Herstellung neuer Flaschen verwendet.

- Für die Herstellung einer neuen Re-PET-Flasche (also einer Flasche, die zu 100% aus alten PET-Flaschen besteht) werden etwa 1,4 alte PET-Flaschen benötigt.

- Nach sechs Recycling-Durchgängen sind aufgrund von Materialverlusten von einer 35 Gramm Flasche nur mehr 0,55 Gramm übrig.

 

Das Waschen und Wiederbefüllen von Glasflaschen ist in regionalen Mehrwegsystemen deutlich umweltfreundlicher als die Neuproduktion von Flaschen. Dazu kommen die kurzen Transportwege, die zusätzlich Ressourcen sparen und als wahrscheinlich größter Vorteil die massive Abfallvermeidung.

Vergleichbare internationale Untersuchungen kommen zu selben Ergebnissen, auch die EU-Kommission bezeichnet die Wiederverwendung von Verpackungen noch vor Recycling als wichtigen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft.

Die Verfasser/innen der Studie haben auch schon Vorschläge erarbeitet wie die Politik und der Handel diese Erkenntnisse umsetzen können:

 1. Anreizsysteme für den Handel schaffen: gesetzliche Mehrwegquoten im Lebensmitteleinzelhandel, Anreizsystem, mit dem der Handel Ausgleichszahlungen für die Aufwände der Flaschenrücknahme erhält. 
2. Stufenweise Erhöhung der Mehrwegquote: auf mindestens 50 Prozent bis 2030. Die gesetzliche und sanktionierbare Mehrwegquote soll für alle Lebensmittelhändler/innen mit einem Marktanteil über fünf Prozent gelten. 
3. Kennzeichnungspflicht Mehrweg/Einweg: Eine Kennzeichnungspflicht “Einweg/Mehrweg” ermöglicht Konsumentinnen/Konsumenten eine bewusste Auswahl.
4. Förderungen für Mehrweg-Innovationen: Beispiele sind die Entwicklung von Leicht-Mehrweg-Flaschen, der Umstieg auf standardisierte Normgebinde, u.a. 
5. Optimierte Leergutverwaltung: Die Verwaltung von Mehrweggebinden mittels elektronischer Datenbanken; der Ausbau der digitalen Leergutverwaltung soll deshalb von der Politik unterstützt werden.
6. Kundenfreundliche Rückgabemöglichkeit für Leergut: Alle Supermärkte mit einer Verkaufsfläche über 200 m² sollen zur Rücknahme aller Pfandflaschen verpflichtet sein 
7. Normflaschen: Der Einsatz von einheitlichen, standardisierte Flaschen kann den Sortieraufwand drastisch reduzieren. 
8. Mehrweg-Transportverpackungen: Wo immer möglich, sollen unnötige Umverpackungen gänzlich vermieden werden. 
9. Mehrwegflaschen in der EU-Einwegplastik-Richtlinie erfassen
10. Pflichtpfand für Einweg-Getränkeverpackungen:
Ein Pfandsystem auf Einwegverpackungen sichert die Gleichstellung von Mehrweg- und Einweggebinden bei der Rückgabe.

Die Maßnahmen im Detail und die Gesamtstudie können Sie hier nachlesen.

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