Factfulness - Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist

veröffentlicht am 04.06.2020

ein Buch von Hans Rosling, Anna Rosling Rönnlund und Ola Rosling - eine Rezension

Cover des Buches "Factfulness", © Ullstein Verlag, Berlin

Hat sich der Anteil der Weltbevölkerung, der in extremer Armut lebt, in den zurückliegenden 20 Jahren verdoppelt, deutlich mehr als halbiert, oder ist er gleich geblieben? Das Buch von Gesundheitsforscher Rosling beginnt mit einem Test von 13 Fragen. Diese Fragen zu Themen wie Bildung, Armut, Bevölkerungswachstum oder Klimawandel hat der 2017 verstorbene Gesundheitsforscher Hans Rosling mehreren tausend Menschen in 14 Ländern gestellt. 

Die Ergebnisse haben ihn überrascht: die Menschen nehmen die Welt viel schlechter wahr, als sie tatsächlich ist. Zum Beispiel beantworteten in Schweden und Norwegen nur 25 Prozent der Teilnehmer die Frage nach dem in Armut lebenden Anteil der Weltbevölkerung richtig, in Großbritannien nur neun und in Deutschland sogar nur sechs Prozent. Selbst Fachleute wie Universitätsprofessoren, Investmentbanker oder Journalisten lagen daneben.

Grund für Hans Rosling dieses Buch zu schreiben und anhand statistischer Daten aufzuzeigen, dass es den Menschen insgesamt bessergeht. 

Und wie sehen Sie die Welt? 

Wir haben aus dem Buch "Factfulness" 5 Fragen für Sie zum Selbsttesten ausgesucht. Die gesamten Fragen sowie Erklärungen und Auswertungen der Ergebnisse finden Sie im Buch.

Hier geht's zu den 5 Fragen.

Faktencheck ist besser als blindes Vertrauen – und: die Welt ist nicht so schlecht, wie sie scheint.

Erst wer die Fakten kennt, kann seine Situation richtig einschätzen. Wer aber positive Trends ignoriere und an einer dramatischen Weltsicht festhalte, habe nicht nur schlechtere Laune, sondern verpasse auch Chancen - so Rosling in seinem Buch.

In Factfulness kritisiert er die Oberflächlichkeit, mit der die Medien häufig an unsere Ängste und Vorurteile appellieren. Das Verallgemeinern, Dramatisieren und Angstschüren hindert uns, Informationen systematisch einem Faktencheck zu unterziehen. Stattdessen zementieren wir unsere Vorurteile oder verzichten darauf, unser vielleicht veraltetes Weltbild zu hinterfragen. 

Rosling fragte sich, worauf diese Fehleinschätzungen zurückzuführen seien. Dazu identifizierte er zehn verschiedene menschliche "Instinkte": zum Beispiel den der "Kluft", der "Negativität", der "Angst", des "Schicksals" oder der "Schuldzuweisung".

So verleite der "Instinkt der Kluft" dazu, die Welt instintiv in Extreme zu unterteilen, etwa in Arm und Reich, Entwicklungs- und entwickelte Länder. Die Situation aus einer Vogelperspektive zu betrachten, helfe dagegen, die vielen dazwischenliegenden Schattierungen zu erkennen und die eigene Sichtweise zu relativieren.


Daten als Therapie

Fakt ist: der Anteil der in extremer Armut Lebenden hat sich weltweit mehr als halbiert, und 80 Prozent der einjährigen Kinder sind geimpft. Auch in Ländern mit niedrigem Einkommen besuchen inzwischen 60 Prozent der Mädchen die Grundschule. Eigentlich sind das gute Nachrichten.

„Factfulness“ ist ein - vielleicht für manche zu optimistisches - Plädoyer für die heilende Wirkung fundierter Fakten. Roslings Ziel ist es, Neugier auf Fakten zu wecken und zum Selbstdenken anzuregen. In jedem neuen Buchabschnitt geht der schwedische Mediziner den einzelnen Instinkten nach und wie sie unsere Denkweise beeinflussen und fasst deren wichtigsten Eigenschaften am Kapitelende zusammen. Zugleich gibt er Tipps, die helfen, nach den relevanten Zahlen zu fragen, sie einzuordnen und damit allfälligen Denkfallen zu umgehen.

In Zeiten von Fake-News und emotionaler Medienberichterstattung sehr lesens- und empfehlenswert!

Factfulness: von Hans Rosling, Anna Rosling Rönnlund und Ola Rosling

Verlag: Ullstein, Berlin 2018

ISBN: 9783550081828 | Preis: 24,00 €

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