Die Stopp-Corona-App

veröffentlicht am 23.04.2020

Nach dem Vorbild asiatischer Staaten basteln die europäischen Mitgliedstaaten an Apps, die es ermöglichen, anonym und auf freiwilliger Basis Infektionswege per Bluetooth, WLAN und Mikrofon zurückzuverfolgen.

Die Bluetooth-Funktechnik verwandelt dabei jedes Handy in einen Sender und einen Empfänger zugleich. Damit kann die App scannen, welche anderen Handys in der Nähe sind. Die App hat nur 4 Funktionen, und zwar "Digitaler Handshake", "Gespeicherte Begegnungen", "Corona-Infektion melden" und "Benachrichtigung im Krankheitsfall".  

Ziel

Ziel ist es, die Menschen, die mit Corona-infizierten Personen in Kontakt gekommen sind, möglichst rasch davon zu benachrichtigen, letztlich damit sie sich testen lassen und/oder in Quarantäne begeben.  Aus epidemiologischer Sicht macht das auch Sinn: mathematische Modelle der Epidemie zeigen, dass eine schnelle Kontaktnachverfolgung, kombiniert mit einem großangelegten Virus-Test-Programm, die Epidemie nicht nur verzögern, sondern vollständig eindämmen könnte. 

Die digitale Virusbekämpfung hängt damit von zwei wesentlichen Faktoren ab:

  • möglichst breite Benutzung einer solchen App
    Eine Abdeckung von mindestens 40 - 60% müsste für den sinnvollen Einsatz erreicht werden. 

  • ausreichende Testmöglichkeiten
    Die Testkapazitäten müssen groß genug sein, damit jede Verdachtsmeldung umgehend überprüft werden kann. Die Alternative - sich zwei Wochen freiwillig und auf Verdacht in Quarantäne zu begeben - wird nach Wochen von social distancing wohl schwer zumutbar sein.

Die Stopp-Corona-App des Roten Kreuz

Nur ein System, dem die Menschen vertrauen können, weil es sie nicht ausspäht, hat das Potential für eine wirklich breite Unterstützung in der Bevölkerung.  Datenschutz ist dabei ein wesentlicher Faktor. In Österreich hat die Stopp-Corona-App des Roten Kreuz für mediale Aufmerksamkeit gesorgt; Österreichs Datenschützer haben sich daraufhin die App auf technische Sicherheit und rechtlichen Datenschutz angesehen.

Wie funktioniert die App?

Die Stopp-Corona-App funktioniert ohne direktes Tracking und sensible Positionsdaten. Jeder, der die App herunterlädt, hat eine eigene ID. Diese wird bei einem „digitalem Handshake“ mit anderen Usern ausgetauscht, die diese App benutzen. Die Apps erkennen einander und speichern die ID des anderen ab. Bis vor 2 Wochen war der Austausch digitaler Handshakes nur manuell durchführbar, nun kann die Vernetzung auch automatisiert erfolgen, wenn UserInnen ihr Einverständnis dafür geben. Natürlich können sie auch weiterhin einfach manuell einen digitalen Handschlag austauschen. Aber auch beim automatischen Handschlag erfolgt keine Weitergabe von persönlichen Daten; nur die Begegnung wird dokumentiert.

Die Geräte vernetzen sich aus einer Distanz von 2 Metern. Ein Kontakt muss für mindestens 15 Minuten bestehen. Wenn NutzerInnen ihre Corona-Infektion melden, werden jene Personen, mit denen die Infizierten in den letzten 54 Stunden in Kontakt waren, benachrichtigt und gebeten sich in Isolation zu begeben. Über die Hotline 1450 kann dann eine Testung veranlasst werden.

Zur Nutzung der App müssen keine personenbezogenen Daten angegeben werden. Als Kernstück dient ein Kontakt-Tagebuch, indem persönliche Begegnungen mittels "digitalem Handshake" anonymisiert gespeichert werden. Die Kontakte der User werden lediglich auf deren Endgerät gespeichert. Sie sind dem Roten Kreuz nicht zugänglich und es können keine Rückschlüsse auf Begegnungen gezogen werden. 

Weitere Informationen zum Stopp-Corona-App finden Sie auf der Webseite des Roten Kreuz

Fazit?

Trotz vielleicht auch berechtigter Kritik an der Praxistauglichkeit der App (wie erreicht man eine breite Akzeptanz?) ergibt die sicherheitstechnische und datenschutzrechtliche Beurteilung der Stopp Corona App durch Expertinnen und Experten ein durchaus positives Ergebnis.

Für die Sorge, dass das Runterladen der App verpflichtend werden könnte, gibt es derzeit keine Anhaltspunkte. Auch die von der Europäischen Kommission Mitte April veröffentlichte Empfehlung bezüglich der Entwicklung dieser Apps setzt auf Freiwilligkeit und Einhaltung höchster Datenschutzstandards.

Das Rote Kreuz hat angekündigt demnächst den offiziellen Quellcode offenzulegen und damit auch einen Beitrag zur internationalen Kooperation in dieser Krise zu leisten. Einzelne Organisationen haben den Quellcode bereits erhalten und geprüft. Die Resonanz ist grundsätzlich positiv. Das Rote Kreuz wird weitere Nachbesserungen vornehmen und das jedenfalls unter den strengen Augen der engagierten Datenschützerinnen und Datenschützer.

Soll man also die App herunterladen?

In diesen herausfordernden Zeiten spielt der gesunde Menschenverstand eine große Rolle: Abstand halten und Hände waschen sind nach wie vor die wesentlichsten Maßnahmen um sich vor dem Virus zu schützen.

Unabhängig davon kann aber das Downloaden der Stopp-Corona-App dazu beitragen, eine schnellere Eindämmung der Pandemie zu erreichen. Und ganz ehrlich: wie viele nicht so notwendige und vor allem nicht so sichere Apps haben Sie nicht schon in der Vergangenheit auf Ihr Handy geladen?


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