Entscheidungsfindung von VerbraucherInnen bei Versicherungsleistungen (06.12.2017)

Europäische Kommission veröffentlicht Studie

© Thorben Wengert / pixelio.de

VersicherungsnehmerInnen entscheiden sich nicht immer aus den richtigen Gründen für eine Versicherung!

So eine Aussage einer Studie zur "Entscheidungsfindung von Verbrauchern in Versicherungsdienstleistungen", die die Europäische Kommission kürzlich vorgelegt hat. Der Versicherungsmarkt (untersucht wurde nur der Nicht-Lebensversicherungsbereich wie Kfz-Versicherung, Versicherungen für den Wohnraum, etc.) sei komplex. Fehlende Informationen und gewohnte Verhaltensmuster wie Bequemlichkeit und die Vorliebe für das Vertraute, würden dazu führen, dass VerbraucherInnen nur begrenzten Nutzen aus Versicherungsverträgen ziehen. So kann das bei VerbraucherInnen in einigen Bereichen zu kostspieliger Überversicherung führen, während sie in anderen Bereichen erheblichen finanziellen Risiken aufgrund von Unterversicherung ausgesetzt sind.


Benutzerfreundliche Information

Versicherungsprodukte sind "Vertrauensgüter", deren Qualität zum Zeitpunkt des Kaufs nicht vollständig bewertet werden kann, so die Studie. Umso wichtiger ist der Beratungs- und Kaufprozess im Vorfeld. So zeigt die Studie, dass benutzerfreundliche, prägnante Informationen, auch über alternative Angebote, VerbraucherInnen eher ermutigen würden, sich mit diesen Informationen auseinander zu setzen. Damit könnte man sie zu besseren Entscheidungen bringen, vorausgesetzt man gibt ihnen ausreichend Zeit zum Nachdenken.

Vergleichsportale können bei der Suche hilfreich sein. Nach Ansicht der in der Studie befragten Interessenvertreter wären aber unparteiischere und unabhängigere Preisvergleichsportale erforderlich, die komplexe Produktvergleiche durch standardisierte Methoden und Terminologie ermöglicht.


Grenzüberschreitende Versicherungsverkäufe

Laut der Studie interessierten sich fast ein Fünftel der Befragten für den grenzüberschreitenden Kauf von Versicherungen, hätten dies aber noch nie versucht. Niedriges Bewusstsein bei VerbraucherInnen über die Möglichkeit, grenzüberschreitend Versicherungen zu kaufen, begrenze die Nachfrage.  Die wahrgenommene Komplexität des Abschlusses eines grenzüberschreitenden Kaufs gerade im Versicherungsbereich, verbunden mit Sprachbarrieren, mindere das Vertrauen von VerbraucherInnen in den grenzüberschreitenden Markt; ebenso die Besorgnis, keine Lösung bei potenziellen Problemen, die mit Versicherungsanbietern auftreten können, zu finden.


Empfehlungen der Europäischen Kommission

Aus dieser Studie zieht die Europäische Kommission folgende Schlüsse:

  • Bereitstellung von klaren, benutzerfreundlichen Informationen, die regelmäßig nach einheitlichen Normen überprüft werden sollen, um Verbesserungsbedarf besser zu erkennen. Hier sieht die Kommission mit der Einführung des standardisierten Basisinformationsdokumentes (IPID) im Rahmen der Richtlinie über Versicherungsvertrieb (IDD) einen wesentlichen Schritt in die richtige Richtung getan.
  • Entscheidungsfindung von VerbraucherInnen bei Versicherungskäufen erleichtern und Sorge tragen, dass durch die Einführung von Richtlinien und Standards, VerbraucherInnen genügend Möglichkeiten haben, eine Pause einzulegen und ihre Entscheidungen zu überdenken.
  • Gegen aggressive Verkaufsmethoden vorgehen.
  • Definitionen und Vertragsformate soweit möglich harmonisieren.
  • Festlegung von Standards für Preisvergleichsportale: nationale Behörden sollen sicherstellen, dass Preisvergleichsportale transparent und umfassend sind und komplexe Vergleiche ermöglichen.
  • Den Wechsel zwischen Versicherungsprodukten vereinfachen, zB durch Übertragung des Versicherungsschutzes eines/r Verbrauchers/in von einem Anbieter zum nächsten.
  • grenzüberschreitende Versicherung fördern und das Bewusstsein der VerbraucherInnen für die Möglichkeit stärken, eine Versicherung grenzüberschreitend zu erwerben. Standardisierte Antragsformulare könnten auf EU-Ebene für verschiedene Arten von Versicherungsprodukten gefördert werden.

Eine Zusammenfassung wie auch die gesamte Studie finden Sie hier!


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