Das Basiskonto

Eine Übersicht aller Informationen zum Thema finden Sie unter Girokonto

Viele Menschen in Österreich und anderen Staaten der EU konnten bisher aus verschiedenen Gründen kein Bankkonto eröffnen. Die EU hat deshalb in einer Richtlinie festgelegt, dass allen KonsumentInnen ab sofort in allen Mitgliedstaaten ein Recht auf ein so genanntes Basiskonto zusteht. Dieses Konto können alle eröffnen, die bisher noch kein Bankkonto hatten oder die ihr bisheriges Konto gegen ein für sie günstigeres Basiskonto tauschen wollen.

Wichtig

Das österreichische Basiskonto in aller Kürze:

  1. Alle KonsumentInnen haben ein Recht auf ein Basiskonto.
  2. Ein Basiskonto bietet alle Leistungen wie ein normales Bankkonto. ABER: Sie dürfen ein Basiskonto nicht überziehen!
  3. Das Basiskonto kostet im Jahr maximal 80 €. Als Teil einer sozial oder wirtschaftlich schwachen Gruppe bezahlt man nur 40 €.

Unterschied zwischen einem normalen Konto und einem Basiskonto

  1. Alle KonsumentInnen haben das Recht, bei einer österreichischen Bank ihrer Wahl ein Basiskonto zu eröffnen. Bei einem normalen Konto entscheidet die Bank, wer ein Konto eröffnen darf.
  2. Bei einem Basiskonto legt das Gesetz zum Schutz der KonsumentInnen
    genau fest:
    - Welche Leistungen umfasst das Basiskonto?
    - Welche Kosten darf die Bank dafür maximal verrechnen?
    Bei einem normalen Konto kann die Bank die Kosten für ihre
    Leistungen selbst bestimmen. 
  3. Sie dürfen ein Basiskonto nicht überziehen. Sie dürfen also nicht mehr Geld usgeben als auf dem Konto liegt.
    Bei einem normalen Konto kann Ihnen die Bank erlauben, das Konto zu überziehen. Das nennt man Überziehungsrahmen. Sie können dann mehr Geld abheben als auf dem Konto liegt. Den Überziehungsrahmen gewährt die Bank allerdings nur dann,
    wenn Sie genug Geld verdienen. Denn nur so können Sie eine solche Überziehung auch wieder zurückzahlen. 
  4. Die Bank kann ein Basiskonto nur aus bestimmten wichtigen Gründen kündigen.
    Ein normales Konto kann die Bank jederzeit ohne Begründung kündigen. Zwischen der Kündigung und dem Ende des Vertrages muss es aber eine Frist von mindestens zwei Monaten geben. Diese Frist heißt Kündigungsfrist.
  5. Bei einem Basiskonto hat die Bank eine sogenannte Unterstützungspflicht. Das heißt: Die Bank muss Ihnen bei der Eröffnung und der Nutzung des Kontos persönlich helfen. So ist gesichert, dass Sie Ihre Rechte ausüben und das Konto zweckmäßig nutzen können. Bei einem normalen Konto muss die Bank die KonsumentInnen nicht persönlich unterstützen. 

Das Verbraucherzahlungskontogesetz (VZKG) regelt alle Details zum Basiskonto.

Wer hat ein Recht auf ein Basiskonto?

  1. Nur KonsumentInnen haben ein Recht auf ein Basiskonto. Sie können das Konto daher nicht für eine gewerbliche, selbstständige oder landwirtschaftliche Tätigkeit eröffnen. D
  2. Die KonsumentInnen müssen sich rechtmäßig in der EU aufhalten. Ein Recht auf ein Basiskonto haben also alle StaatsbürgerInnen eines EU-Staates. Aber auch Angehörige von Staaten außerhalb der EU mit einem Aufenthaltsrecht in einem EU-Staat haben ein Recht auf ein Basiskonto. Dieses Aufenthaltsrecht haben zum Beispiel:
    - ArbeitnehmerInnen
    - Familienangehörige
    - StudentInnen
    - AsylwerberInnen
    - sogenannte Geduldete

Wichtig

Wenn Sie bereits ein Zahlungskonto bei einer österreichischen Bank haben, kann die Bank die Eröffnung eines Basiskontos ablehnen, solange das bestehende Konto nicht gekündigt wurde. Sie können in diesem Fall aber verlangen, dass die Bank ihr altes Konto für Sie kündigt und den Kontowechsel durchführt. Das Basiskonto können Sie entweder bei Ihrer bisherigen Bank oder bei einer anderen Bank eröffnen.

Welche Leistungen muss ein Basiskonto bieten?

Bis auf eine Überziehungsmöglichkeit muss ein Basiskonto alle wichtigen Zahlungsdienstleistungen enthalten. Das sind:

  1. Barabhebungen am Schalter und an Geldautomaten (Bankomaten)
  2. Einzahlungen auf das Konto
  3. Überweisungen und Daueraufträge an Schaltern, Terminals und über das Online-System der Bank
  4. Lastschriften (Bankeinzüge) 
  5. Bargeldlose Zahlungen mit einer Zahlungskarte (zum Beispiel Bankomatkarte) an POS-Kassen und online.

Kreditkarten gehören nicht zu den Leistungen eines Basiskontos.

Das Gesetz schreibt folgende Grundsätze vor:

  1. KonsumentInnen müssen die oben genannten Dienstleistungen innerhalb des gesamten Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) nutzen können. Zum EWR gehören alle Mitgliedstaaten der EU sowie Norwegen, Island und Liechtenstein.
  2. KonsumentInnen müssen alle Dienstleistungen beliebig oft und ohne Zusatzkosten nutzen können. Sie können daher so viele Überweisungen, Lastschriften, Kartenzahlungen oder Barabhebungen am Schalter oder an Bankomaten durchführen, wie Sie wollen. Die Bank darf die Kosten dafür nicht erhöhen. Beim Basiskonto fallen auch die Kosten weg, die die Bank direkt bei der Abhebung an einem Bankomaten verlangt.
  3. KonsumentInnen müssen frei wählen können, ob sie für die Dienstleistungen die Geschäftsräume oder das Online-System der Bank nutzen. Reine Online-Banken ohne Geschäftsräume können die Dienstleistungen natürlich nur online anbieten.
  4. Die Bank muss InhaberInnen von Basiskonten und von normalen Konten gleich behandeln. Sie muss allen KonsumentInnen die gleichen Serviceangebote und Möglichkeiten zur Kommunikation bieten. Über die Karte oder Kontonummer eines Basiskontos darf niemand erkennen, dass es sich um ein Basiskonto handelt. Eine eigene Kennzeichnung ist der Bank ausdrücklich verboten!

Wieviel darf ein Basiskonto pro Jahr kosten?

Für ein Basiskonto darf die Bank höchstens 80 Euro pro Jahr verrechnen. Sozial oder wirtschaftlich schwache Personen zahlen für ein Basiskonto maximal 40 Euro pro Jahr.

In diesem Betrag sind alle nutzbaren Dienstleistungen und Nebenleistungen enthalten. Wenn Sie diesen Jahresbeitrag bezahlt haben, entstehen für Sie also keine weiteren Zusatzkosten.

Welche Personengruppen haben Anspruch auf

Der Minister für Konsumentenschutz hat festgelegt, wer Anspruch auf eine ermäßigte Gebühr von höchstens 40 Euro pro Jahr hat. Die wichtigsten Personengruppen sind:

  • Personen mit einer Bedarfsorientierten Mindestsicherung  
  • Personen mit einer Mindestpension  
  • Personen mit einem Einkommen (Gehalt, Pension, Arbeitslosengeld, Notstandshilfe, Lehrlingsentschädigung) unter dem Existenzminimum  
  • Studierende, die Studienbeihilfe bekommen  
  • Personen, die von einem Schuldenregulierungsverfahren betroffen sind  
  • Personen, die von der Rundfunkgebühr befreit sind oder einen Zuschuss zum Fernsprechentgelt erhalten  
  • obdachlose Personen  
  • AsylwerberInnen oder abgelehnte AsylwerberInnen, die ein Staat nicht abschieben kann (sogenannte Geduldete)  
  • vergleichbar sozial oder wirtschaftlich schwache Personen aus anderen EU-Staaten

In welchen Fällen kann die Bank ein Basiskonto kündigen?

Wenn Sie ein Basiskonto haben, kann es die Bank nur in folgenden Fällen kündigen:

  1. Sie lehnen eine gesetzeskonforme Änderung der Vertragsbedingungen ab. Über diese Änderung muss Sie die Bank mindestens zwei Monate vorher informieren. Sie können sich bei einer Verbraucherberatungsstelle informieren, ob eine angekündigte Änderung gesetzeskonform ist.
  2. Sie eröffnen ein zweites Zahlungskonto bei einer österreichischen Bank. 
  3. Sie haben bei der Eröffnung des Basiskontos trotz Nachfrage nicht gesagt, dass Sie bereits ein anderes Zahlungskonto in Österreich haben. 
  4. Sie haben das Basiskonto mehr als 24 Monate lang nicht mehr genutzt. 
  5. Sie nutzen das Basiskonto absichtlich für nicht rechtmäßige Zwecke. Darunter fallen zum Beispiel Geldwäsche, Finanzbetrug, Finanzierung von Terrorismus. 
  6. Sie halten sich nicht mehr rechtmäßig in der EU auf. 
  7. Sie haben das Basiskonto wiederholt für unternehmerische Zwecke genutzt. 
  8. Man klagt Sie wegen einer vorsätzlichen Straftat an, mit der Sie die Bank oder ihre MitarbeiterInnen geschädigt haben.

Im 3. und 5. Fall kann die Bank das Basiskonto mit sofortiger Wirkung kündigen. In allen anderen Fällen muss die Bank eine Kündigungsfrist von mindestens zwei Monaten einhalten.

Was kann man machen, wenn eine Bank die Eröffnung eines Basiskontos ablehnt oder es kündigt?

Wenn eine Bank die Eröffnung eines Basiskontos ablehnt oder ein Basiskonto kündigt, muss sie die KonsumentInnen schriftlich über die genauen Gründe informieren. Wenn Sie diese Ablehnung oder Kündigung für nicht gerechtfertigt halten, können Sie Folgendes tun:

  1. Sie können Beschwerde bei der Finanzmarktaufsicht (FMA) oder der FIN-NET Schlichtungsstelle einlegen. Die Kontaktdaten finden Sie weiter unten unter "KONTAKTE". Beide Möglichkeiten für eine Beschwerde sind für KonsumentInnen kostenlos. Besonders wirksam ist eine Beschwerde bei der FMA. Denn die FMA kann bei einer berechtigten Beschwerde eine Verwaltungsstrafe über die Bank verhängen.
  2. Sie können sich auch beim Verein für Konsumenteninformation (VKI), bei einer Arbeiterkammer (AK) oder beim Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (Sozialministerium) beschweren. Verstößt die Bank öfter gegen die Gesetze, können VKI und AK mit einer Verbandsklage gegen die Bank vorgehen.
  3. Sie können eine gerichtliche Klage gegen die Bank einreichen. Wenn es zum Verfahren kommt, können Sie Verfahrenshilfe beantragen. Jedenfalls sollten Sie sich vorher bei den oben genannten Organisationen erkundigen.
Kontakt

FINANZMARKTAUFSICHT (FMA) Otto Wagner Platz 5, 1090 Wien
Telefon: 01 24 959 - 0;
Fax: 01 24 959 - 5499;
fma@fma.gv.at
www.fma.gv.at

GEMEINSAME SCHLICHTUNGSSTELLE DER ÖSTERREICHISCHEN KREDITWIRTSCHAFT Wiedner Hauptstraße 63, 1045 Wien
Telefon: 01 505 42 98;
Fax: 01 505 44 74;
office@bankenschlichtung.at
www.bankenschlichtung.at

VEREIN FÜR KONSUMENTENINFORMATION (VKI) Mariahilfer Straße 81, 1060 Wien
Telefon: 01 58 877 - 0;
Fax: 01 58 877 - 71;
konsument@vki.at
www.konsument.at
Telefonische Auskünfte sowie Terminvereinbarung für persönliche Beratung:
Montag bis Freitag 9 Uhr bis 15 Uhr

Materialien

Das Basiskonto

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