Kauf auf Raten

Was versteht man unter einem Kauf auf Raten?

„Sofort erhalten - später zahlen!" - Was oft nach einem Schnäppchen klingt, kann sich als Kostenfalle entpuppen. Beim Kauf auf Raten wird KonsumentInnen die Möglichkeit geboten, eine Sache sofort zu verwenden, obwohl der Kaufpreis erst später in Teilraten bezahlt werden muss. Grundsätzlich gilt aber: Teilzahlungen sind immer teurer als Einmalzahlungen. Viele Konsument/innen lassen sich zu solchen Käufen verleiten, weil sie die finanzielle Belastung oft unterschätzen. Gerade für wirtschaftlich Schwache besteht dabei die Gefahr der Überschuldung.

Neben Baumärkten, Möbel- und Elektrohändlern wird die Möglichkeit des Ratenkaufs in erster Linie im Versandhandel oder bei Werbefahrten geboten. Auch bei sogenannten „Haustürgeschäften", bei denen Verkäufer/innen ihre Ware außerhalb ihrer Geschäftsräume (an der Haustüre, am Arbeitsplatz, auf der Straße etc.) verkaufen, wird die Kaufpreiszahlung häufig in Raten ermöglicht.

Bestimmungen des Verbraucherkreditgesetzes anwendbar

Der Kauf auf Raten ist einem Privat-Kredit, der bei einer Bank aufgenommen wird, sehr ähnlich. „Kreditgeber" kann nicht nur ein Unternehmern selbst, sondern auch eine Bank sein. Oft arbeiten Unternehmer/innen mit Kreditinstituten zusammen, um Kund/innen einen Kauf auf Raten zu ermöglichen. Für die Kreditierung müssen vergleichsweise sehr hohe Zinsen gezahlt werden, die in die Teilzahlungen eingerechnet werden. Dies geht aus den Angeboten nicht immer deutlich hervor.

Kauf auf Raten © bmasgk/fridrich/oegwm - Kauf auf Raten

Besonderheiten beim Kauf auf Raten

Wie hoch die Gesamtkosten bei einem Kauf auf Raten sind, wird im „effektiven Jahreszinssatz" ausgewiesen. Dieser berücksichtigt neben Nominalzinsen für die Teilzahlungen auch Spesen, Bereitstellungsprovisionen, Kontoführungsentgelte, Bearbeitungsgebühren etc. Die effektiven Jahreszinssätze sind beim Kauf auf Raten sehr hoch. Im Versandhandel können sie bis zu 20 % betragen, was etwa das Vierfache vom Zinssatz bei üblichen Krediten beträgt.

Bei Verzug erhöht sich der Zinssatz um 5%

Besonders teuer wird der Kauf auf Raten, wenn KonsumentInnen mit Zahlungen in Verzug geraten. Zwar dürfen die dafür berechneten Zinsen gesetzlich pro Jahr nicht mehr als 5 % über jenem Zinssatz liegen, der für die vertragsgemäße Zahlung vereinbart worden ist. Wenn die Vertragszinsen aber schon sehr hoch sind, ist die Gesamtbelastung bei Verzug umso höher! Unternehmer müssen in ihren Angeboten die Verzugszinsen, die jährlich anfallen, angeben. Die Angabe der monatlich anfallenden Verzugszinsen ist unzulässig, da KonsumentInnen bei ungenauem Lesen über die Höhe der Verzugszinsen getäuscht werden könnten.

Meistens wird für einen Zahlungsverzug auch ein sogenannter „Terminsverlust" vereinbart. Das bedeutet, dass die Verkäuferin/der Verkäufer das Recht hat, alle noch offenen Raten und somit den gesamten (noch offenen) Kaufpreis auf einmal zu verlangen.

Wichtig

Bis zur Zahlung der letzten Rate bleibt das Eigentum an der Ware beim Unternehmen und sie darf von Konsument/innen nicht weiterverkauft werden.

Schutzbestimmungen des Verbraucherkreditgesetzes

Ratenzahlungsvereinbarungen sind Kreditverträgen sehr ähnlich und grundsätzlich wie solche zu behandeln. Deshalb gelten für sie auch wesentliche Schutzbestimmungen des Verbraucherkreditgesetzes.

Dementsprechend müssen Konsument/innen zentrale Informationen zu den Ratenbedingungen schon vor Vertragsabschluss durch Übergabe eines Formulars erteilt werden, z.B. wie hoch die Gesamtbelastung durch den Ratenkauf sein wird. Ratenzahlungsvereinbarungen müssen schriftlich auf Papier oder auf einem dauerhaften Datenträger (USB-Stick, E-Mail etc.) abgeschlossen werden.

Kreditgeber/innen müssen vor Vertragsschluss außerdem die Bonität/Zahlungsfähigkeit der Konsument/innen überprüfen. Ist zweifelhaft, ob der Kaufpreis bezahlt werden wird können, so müssen Konsument/innen darauf hingewiesen bzw. gewarnt werden.

Wenn KonsumentInnen mit ihren Raten in Verzug sind, dürfen die gesamten ausstehenden Raten nur dann auf einmal fällig gestellt werden (Terminsverlust), wenn eine Zahlung seit mindestens sechs Wochen fällig ist und unter Androhung des Terminsverlusts eingemahnt und eine Nachfrist von zwei Wochen gesetzt wurde.

Es besteht auch die Möglichkeit, die noch offenen Raten vorzeitig zurückzuzahlen. Das kann Sinn machen, wenn ein hoher Zinssatz für die Raten vereinbart wurde. Die zu zahlenden Zinsen und die laufzeitabhängigen Kosten müssen sich in diesem Fall nämlich aliquot verringern. Auch auf das Recht der vorzeitigen Rückzahlung sind Konsument/innen hinzuweisen.

Kontakt

VEREIN FÜR KONSUMENTENINFORMATION Mariahilfer Straße 81, 1060 Wien
Telefon: 1 58 877 0;
mail@vki.at
www.vki.at

VEREIN FÜR KONSUMENTENINFORMATION Maximilianstraße 9, 6020 Innsbruck
Telefon: 0512 58 68 78;
konsumenteninfo.tirol@vki-tirol.at
www.vki-tirol.at

BUNDESARBEITSKAMMER Prinz Eugen-Straße 20-22, 1040 Wien
Telefon: 1 50165 - 0;
akmailbox@akwien.at
www.arbeiterkammer.at

VERBRAUCHERSCHLICHTUNG Mariahilfer Straße 103/1/18, 1060 Wien
Telefon: 1 890 63 11;
office@verbraucherschlichtung.at
http://www.verbraucherschlichtung.at

Materialien

Haushaltsbuch Erhältlich bei den Schuldnerberatungsstellen Österreichs.
www.schuldenberatung.at/fachpublikum/publikationen.php
Downloads

Links

www.arbeiterkammer.at/beratung/konsument/EinkaufundRecht/Ratenkauf.html Was Sie vor Ratenkäufen bedenken sollten. Informationen der Arbeiterkammer.

www.verbraucherrecht.at Informationen zum Verbraucher­recht des Vereins für Konsumenteninformation (gefördert durch Mittel des Sozialministeriums) mit aktuellen Ge­richts­urteilen, News und Musterbriefen.

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