Pauschalreisen und Flug


Ich habe telefonisch eine Reise gebucht. Stimmt es, dass ich einen Vertrag habe, obwohl ich keinen Buchungsschein unterschrieben habe?

Auch eine telefonische Buchung stellt einen gültigen Vertragsabschluss dar, da Verträge auch mündlich geschlossen werden können. Bei mündlich geschlossenen Verträgen kann sich naturgemäß ein Beweisproblem darüber ergeben, was genau vereinbart worden ist.

In Österreich sind die Reisebüros und Reiseveranstalter verpflichtet, den KundInnen bei oder unverzüglich nach Vertragsabschluss eine schriftliche Buchungsbestätigung zu übermitteln. Es ist wichtig, dass Sie den Inhalt der Buchungsbestätigung umgehend überprüfen und allfällige Abweichungen zu Ihrem Buchungswunsch sofort dem Reisebüro bzw. dem Reiseveranstalter melden.

WICHTIG: Bei telefonischen Buchungen von Pauschalreisen und Beförderungsverträgen gibt es kein allgemeines gesetzliches Rücktrittsrecht!

Ich habe eine Pauschalreise nach Ägypten gebucht. Nun kann ich mir diese finanziell nicht leisten und habe sie am nächsten Tag storniert. Muss ich die vom Reiseveranstalter verlangte Stornogebühr bezahlen?

Da es kein allgemeines gesetzliches Rücktrittsrecht bei Pauschalreisen gibt, sind Sie an den einmal geschlossenen Vertrag gebunden. Es ist es üblich, dass Stornogebühren für den Fall eines Rücktritts vereinbart werden. Eine Stornierung kann in diesem Fall ohne Angabe von Gründen erfolgen. Die Höhe der Stornogebühr richtet sich nach dem Rücktrittszeitpunkt und der Reiseart. Der Grundgedanke einer zeitlichen Staffelung ist, dass sich eine Reise umso leichter weiterverkaufen lässt, je früher der Rücktritt erfolgt.

In Österreich werden von den Reisebüros und Reiseveranstaltern üblicherweise die Allgemeinen Reisebedingungen (ARB 1992) verwendet. Nach diesen gelten folgende Stornosätze, die sich jeweils auf den Gesamtreisepreis beziehen:

1. Sonderflüge (Charter), Gruppen-IT (Gruppenpauschalreisen im Linienverkehr), Autobusgesellschaftsreisen (Mehrtagesfahrten)

bis 30. Tag vor Reiseantritt....................................10%
ab 29. bis 20. Tag vor Reiseantritt..........................25%
ab 19. bis 10. Tag vor Reiseantritt..........................50%
ab 9. bis 4. Tag vor Reiseantritt..............................65%
ab dem 3. Tag (72 Stunden) vor Reiseantritt..........85%
des Reisepreises.

2. Einzel-IT (individuelle Pauschalreisen im Linienverkehr), Bahngesellschaftsreisen (ausgenommen Sonderzüge)
bis 30. Tag vor Reiseantritt....................................10%
ab 29. bis 20. Tag vor Reiseantritt..........................15%
ab 19. bis 10. Tag vor Reiseantritt..........................20%
ab 9. bis 4. Tag vor Reiseantritt..............................30%
ab dem 3. Tag (72 Stunden) vor Reiseantritt..........45%
des Reisepreises.

Falls nicht die ARB 1992 vereinbart worden sind, können natürlich andere Stornosätze gelten. Informieren Sie sich daher im Vorhinein über die geltenden Stornobedingungen.

Eine Reisestornoversicherung, deren Abschluss meist mit dem Reisearrangement angeboten wird, übernimmt in bestimmten Fällen, wie etwa bei schwerer Erkrankung, Tod eines Familienmitglieds, nicht bestandener Matura und ähnlichen Gründen, die Zahlung der Stornogebühr. Dass Sie die Reise aus finanziellen Gründen nicht mehr antreten können, ist von einer Reisestornoversicherung nicht umfasst. Was konkret versichert ist, lässt sich den jeweiligen Versicherungsbedingungen entnehmen. Um unangenehme Überraschungen im Nachhinein zu vermeiden, sollten Sie sich die Zeit nehmen, diese vor Versicherungsabschluss genau durchzulesen!

Mein Urlaub war nicht erholsam, weil es viele Reisemängel gab. Kann ich vom Reiseveranstalter etwas zurückverlangen?

Reiseveranstalter müssen für die versprochenen Leistungen der Pauschalreise einstehen. Sind diese mangelhaft, haben Reisende Gewährleistungsansprüche. Melden Sie etwaige Mängel möglichst rasch dem oder der VertreterIn des Reiseveranstalters vor Ort oder der Hotelleitung und bestehen Sie auf Verbesserung.

Nach deutschem Recht müssen Sie Mängel jedenfalls nachweislich rügen, sonst verlieren Sie Ihre Ansprüche aus der Gewährleistung (Pflicht zur Mängelrüge). Dies ist wichtig, wenn Sie bei einem deutschen Veranstalter gebucht haben.

Kann der Mangel nicht behoben werden (etwa andauernde Bauarbeiten am Strand), dann sichern Sie alle Beweise (Fotos, Videoaufnahmen etc.) und lassen Sie sich das Vorliegen der Mängel von der Reiseleitung vor Ort schriftlich bestätigen. Nach Ihrer Rückkehr können Sie dann gegenüber dem Reiseveranstalter eine angemessene Preisminderung verlangen. Die Frankfurter Tabelle kann für die Berechnung der Preisminderung eine Hilfestellung sein. Musterbriefe dazu finden Sie auf den Webseiten der Arbeiterkammer und des Vereins für Konsumenteninformation.

Wird ein erheblicher Teil der geschuldeten Leistungen nicht erbracht und trifft den Reiseveranstalter oder seine Erfüllungsgehilfen ein Verschulden daran, so können Reisende neben Gewährleistungsansprüchen auch Schadenersatzansprüche wegen entgangener Urlaubsfreude zustehen. Ein Beispiel dafür wäre eine Erkrankung (Brechdurchfall, Bettruhe) durch verdorbenes Hotelessen. Aus Beweisgründen sollte eine ärztliche Bestätigung vor Ort eingeholt und der Krankheitsverlauf dokumentiert werden. 

WICHTIG: Kommt es zu keiner außergerichtlichen Einigung, müssen Ansprüche aus der Gewährleistung innerhalb von 2 Jahren, solche aus Schadenersatz innerhalb von 3 Jahren (ab Kenntnis von Schaden und Schädiger) gerichtlich geltend gemacht werden.

Ich habe vor 3 Wochen für mich und meine Familie eine 2-wöchige Pauschalreise nach Griechenland im Reisebüro X mit dem Reiseveranstalter Z gebucht und bereits eine Anzahlung von 20 % geleistet. Gestern habe ich erfahren, dass der Reiseveranstalter Z offenbar in großen Zahlungsschwierigkeiten ist. Bekomme ich meine Anzahlung zurück, wenn dieser vor unserem Reiseantritt (in 2 Wochen) in Konkurs geht? Wie sieht es mit unserer Rückreise aus, wenn der Konkurs eintritt, während wir in Griechenland sind?

Aufgrund europarechtlicher Vorgaben sind Veranstalter von Pauschalreisen verpflichtet, für den Fall des Konkurses durch eine Versicherung oder eine sonstige Sicherstellung (z.B. Bankgarantie) vorzusorgen (Insolvenzabsicherung). Die notwendigen Daten (Versicherer, Versicherungs- oder Garantienummern, die zuständige Stelle für die Abwicklung) müssen in Österreich in den Reiseunterlagen (Buchungs- bzw. Reisebestätigung) sowie im Katalog angeführt sein. Falls nicht, sollten Sie dies unbedingt reklamieren. Eine Liste aller in Österreich tätigen Reiseveranstalter mit Insolvenzabsicherung findet sich auf der Website des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft. In Deutschland ansässige Reiseveranstalter müssen Ihren KundInnen die Insolvenzabsicherung durch die Vorlage eines sog. Reisesicherungsscheins bestätigen.

Über die Insolvenzabsicherung erhalten Sie bereits geleistete Zahlungen im Falle des Konkurses Ihres Reiseveranstalters zurück erstattet. Abgesichert sind außerdem auch die Kosten der Heimreise. Es ist schon vorgekommen, dass der Konkurs eingeleitet wurde, während sich Reisende noch am Urlaubsort befanden und der Rückflug vom Reiseveranstalter nicht mehr bezahlt wurde.

Auch wenn der Konkurs das vermittelnde Reisebüro betrifft, dürfen Sie gemäß ständiger Rechtsprechung nicht zweimal zur Kasse gebeten werden. Die bereits von Ihnen an das Reisebüro geleistete Zahlung muss sich der Reiseveranstalter nämlich anrechnen lassen.

Meine Familie und ich sind gestern von einer 2-wöchigen Reise in die Karibik zurückgekommen. Leider hatte der Rückflug insgesamt 20 Stunden Verspätung, sodass ich mir einen zusätzlichen Urlaubstag nehmen musste. Gibt es dafür eine Entschädigung (ich bin Angestellte/r)?

Laut der EU-Fluggastrechte-Verordnung (EG) Nr. 261/2004 steht im Falle einer Flugverspätung ein Anspruch auf Betreuungsleistungen (Verpflegung, Hotelunterbringung, zwei unentgeltliche Telefonate, Telefaxe oder E-Mails) zu. Seit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2009 ist bei Ankunftsverspätungen ab drei Stunden auch eine Ausgleichsleistung in Geld vorgesehen, die je nach Dauer der Verspätung und Distanz der Flugstrecke folgendermaßen gestaffelt ist:

Entfernung
(km)                
Ausgleichsleistung
(€)                             
Anderweitige Beförderung mit
Ankunftsverspätung bis max.(h)      
Kürzung
um 50 % zulässig
Bis 1500  250  2 125 
1500-3500 400  200 
Ab 3500 600  300 


Die Ausgleichszahlung soll Fluggäste für die durch eine Verspätung entstandenen Unannehmlichkeiten entschädigen. Schadenersatz für einen umsonst genommenen Urlaubstag wird man als Angestellte/r in aller Regel nicht verlangen können, da kein finanzieller Schaden vorliegen wird. Anders könnte es beim entgangenen Gewinn einer Person sein, die freiberuflich oder als freie/r Dienstnehmer/in tätig ist. Ein solcher weitergehender Schadenersatzanspruch würde aber mit einer erhaltenen Ausgleichszahlung gegen verrechnet werden. 

Die Fluglinie hat jedoch dann keine Ausgleichsleistung zu zahlen, wenn sie nachweist, dass die Verspätung auf sogenannte „außergewöhnliche Umstände" zurückgeht und sie alle zumutbaren Maßnahmen getroffen hat, um den Eintritt der Verspätung zu verhindern.

Beispiele für solche außergewöhnlichen Umstände können sein: 

  • Politische Instabilität
  • Widrige Wetterbedingungen, wenn z.B. Landung oder Start
    nicht möglich ist oder die Aschewolke im Jahr 2010
  • Sicherheitsrisiken 
  • Unerwartete Flugsicherheitsmängel

Solche außergewöhnlichen Umstände sind laut Rechtsprechung des EuGH eng auszulegen. Demnach stellen zum Beispiel technische Gebrechen keine außergewöhnlichen Umstände dar, wenn sie im Rahmen der normalen Ausübung der Tätigkeit des betroffenen Luftfahrtunternehmens auftreten und von diesem tatsächlich zu beherrschen sind.

Als Beispiele für außergewöhnliche Umstände im Zusammenhang mit technischen Defekten an Flugzeugen nennt der EuGH versteckte Fabrikationsfehler an einem Flugzeug, die die Flugsicherheit beeinträchtigen, sowie durch Sabotageakte oder terroristische Handlungen verursachte Schäden an Flugzeugen.

Gegenüber dem Reiseveranstalter haben Sie außerdem Ansprüche aus der Gewährleistung, wenn die vertraglichen Vereinbarungen nicht erfüllt werden. Von der Rechtsprechung wird ab einer Verspätung von vier Stunden eine Preisminderung gewährt (ab der 5. Stunde pro angefangener Stunde 5 % des Tagesreisepreises). Eine erhaltene Ausgleichszahlung wird jedoch mit einer Preisminderung gegenverrechnet. In der Regel fällt die Ausgleichszahlung höher aus als eine Preisminderung.

Ansprüche aus der Fluggastrechte-Verordnung müssen Sie gegenüber der den betroffenen Flug ausführenden Fluglinie geltend machen. Weigert sich diese, eine Ausgleichszahlung zu leisten oder erhalten Sie gar keine Antwort, können Sie sich je nach Zuständigkeit an die nationalen Schlichtungs- und Durchsetzungsstellen der jeweiligen EU-Mitgliedstaaten wenden. Die Schlichtungs- und Durchsetzungsstelle in Österreich ist die Agentur für Passagier- und Fahrgastrechte, an die Sie sich mit einer Beschwerde wenden können. Nähere Informationen zu diesem für Fluggäste kostenlosen Verfahren finden Sie unter www.passagier.at

Antworten auf viele weitere Fragen im Zusammenhang mit dem Thema Flugreisen und Fluggastrechte finden Sie in unserer Broschüre „Fliegen ohne Turbulenzen". Diese kann beim Broschürenservice des Sozialministeriums heruntergeladen oder über die Broschüren Hotline 01/ 71100 862525 bestellt werden. 

Auf einem Städteflug nach London kam mein Gepäck zwei Tage verspätet an. Ich musste mir zur Überbrückung Kleidungsstücke und Toilettenartikel im Wert von € 150,-- kaufen. Die Fluglinie bietet mir für die gekauften Kleidungsstücke nur 50 % Ersatz an. Ist das rechtens?

Nach Art. 19 des internationalen Montrealer Übereinkommens (MÜ) hat die Fluglinie all jene Schäden zu ersetzen, die Reisenden und ihrem Gepäck durch die Verspätung entstanden sind. Die Fluglinie haftet nur dann nicht, wenn sie nachweist, dass sie oder ihre Erfüllungsgehilfen alle zumutbaren Maßnahmen getroffen haben, um den Eintritt des Schadens zu vermeiden.

Für Schäden, die Reisende durch ihre verspätete Ankunft am Zielort erleiden, haftet das Luftfahrtunternehmen bis zu einem Höchstbetrag von 4.694 Sonderziehungsrechten (SZR), was derzeit ca. € 5.867,-- entspricht. Es werden nur materielle Schäden (z.B. Taxi-, Telefon-, Übernachtungskosten) ersetzt, in der Regel aber nicht der Wert zusätzlich verbrauchter Urlaubszeit.

Für Schäden, die durch die Verspätung des Gepäcks verursacht werden, beträgt die Haftungsgrenze 1.131 SZR (derzeit ca. € 1.413,--). Trifft also beispielsweise Ihr Gepäck verspätet am Urlaubsort ein, so können Sie sich dringend benötigte Dinge wie z.B. Toilettenartikel oder notwendige Kleidungsstücke kaufen und der Fluglinie die Kosten dafür in Rechnung stellen.

ACHTUNG: Nach den Grundsätzen des Schadenersatzrechts müssen sich Geschädigte allfällig erlangte Vorteile anrechnen lassen. Häufig ersetzen Fluglinien Kosten für Toilettenartikel zur Gänze, solche für zusätzlich gekaufte Kleidungsstücke und andere Gebrauchsgegenstände jedoch nur zur Hälfte. Die Begründung dafür lautet, dass Reisende ihr Gepäck ja ohnehin zurückerhalten und die zusätzlich gekauften Gegenstände dann auch weiterhin nutzen können. Ob der erlittene Schaden im konkreten Fall tatsächlich 50 % des Kaufpreises beträgt, müsste im Zweifelsfall durch ein Gericht geklärt werden. Wichtig ist außerdem, die Ausgaben bei der Anschaffung von Ersatzgegenständen im Rahmen vertretbarer Qualität möglichst gering zu halten (Schadensminderungspflicht!).

Schäden aus einer Gepäckverspätung müssen binnen 21 Tagen ab der Entgegennahme des Gepäcks bei der Fluglinie schriftlich geltend gemacht werden.

Bei meiner Tochter in der Schule war der Vertreter eines auf Maturareisen spezialisierten Reiseveranstalters zu Gast. Meine Tochter (18 Jahre alt) hat eine Buchung abgeschlossen, womit ich allerdings nicht einverstanden bin, zumal ich nicht genug Geld habe, um diese Reise zu finanzieren. Wie ist die Rechtslage?

Es kommt immer wieder vor, dass SchülerInnen Verträge über Matura- und Abschlussreisen ab-schließen, ohne daran zu denken, dass sie oder ihre Eltern sich unter Umständen die Reise nicht leisten können oder es noch bessere Angebote geben könnte. Daher sind insbesondere folgende Punkte zu beachten:

  1. Wer mit 18 Jahren einen Vertrag abschließt, ist voll geschäftsfähig und kann daher jede Art von Verträgen rechtswirksam ohne Zustimmung der Eltern abschließen. Anders ist es bei noch nicht 18-Jährigen: Hier ist die Notwendigkeit der Zustimmung der Eltern im Einzelfall zu prüfen.
  2. Verträge sind grundsätzlich gültig - daher ist ein einseitiger kostenloser Rücktritt nur in Ausnahmefällen möglich! Beispiel dafür ist der Abschluss von sog. „Haustürgeschäften". Ein solches würde vorliegen - ein in der Praxis eher seltener Fall -, wenn ohne vorherige Ankündigung eine Informationsveranstaltung in der Schule durchgeführt wird, bei der Schülerinnen eine Reise buchen.
  3. In aller Regel ist ein Rücktritt vom Reisevertrag nur bei Zahlung einer - oft nicht unbeträchtlichen - Stornogebühr möglich. Diese beträgt nach den üblicherweise verwendeten Allgemeinen Reisebedingungen (ARB 1992) 10% - 85% des Reisepreises und richtet sich nach dem Zeitpunkt der Stornierung.

Daher ist wichtig: Stornobedingungen vor Vertragsabschluss genau lesen!

Der Abschluss einer Stornoversicherung wird häufig angeboten. Vorsicht: Die Stornoversicherung deckt keineswegs immer die anfallenden Stornokosten! Reisestornoversicherungen zahlen nur in bestimmten Situationen (siehe dazu Frage 2).

TIPPS:

  1. Unterschreiben  Sie nicht sofort, sondern überlegen Sie sich die Reisebuchung ein paar Tage in Ruhe. Seriöse Veranstalter werden Ihnen diese Möglichkeit jedenfalls geben. Besprechen Sie die Reise mit Ihren Eltern und holen Sie Vergleichsangebote ein.
  2. Lesen Sie alle Vertragsunterlagen sorgfältig durch und unterschreiben Sie erst dann eine „Anmeldung" oder ein Angebot. Gehe Sie davon aus, dass jede Unterschrift für Sie verbindlich ist.
  3. Achten Sie darauf, ob der Reiseveranstalter für den Fall seines Konkurses abgesichert ist. Für alle Reiseveranstalter innerhalb der EU ist eine solche Absicherung verpflichtend vorgeschrieben.
  4. Bei Fragen oder Unsicherheiten vor oder nach der Reisebuchung wenden Sie sich an eine Konsumentenberatungsstelle, wie z.B. den Verein für Konsumenteninformation (siehe dazu http://www.konsument.at) oder die Arbeiterkammer (siehe dazu www.arbeiterkammer.at).

Ich habe eine Pauschalreise gebucht und lese in der Zeitung, dass es in dem von mir gebuchten Reisegebiet Terroranschläge gibt. Kann ich kostenlos von dieser Reise zurücktreten?

Sicherheitsgefährdungen am Urlaubsort können unter gewissen Umständen einen Wegfall der Geschäftsgrundlage darstellen. In einem solchen Fall kann die Pauschalreise kostenlos storniert werden. Ein Wegfall der Geschäftsgrundlage liegt dann vor, wenn die Reise für den Kunden aufgrund von unvorhersehbaren Ereignissen, die sich nach Vertragsabschluss ergeben haben und weder vom Kunden noch vom Vertragspartner zu verantworten oder zu beeinflussen sind, unmöglich oder unzumutbar wird. Dies ist dann der Fall, wenn die Gefahr - auch im Lichte seriöser Medienberichte - so hoch erscheint, dass ein Durchschnittsreisender die Reise nicht antreten würde.

Eine offizielle Reisewarnung des Außenministeriums rechtfertigt jedenfalls einen kostenlosen Reiserücktritt

Der Oberste Gerichtshof (OGH) verlangt aber, dass Reisende, deren Abreise noch weiter in der Zukunft liegt, zunächst abwarten, wie sich die Sicherheitslage entwickelt. Es ist allerdings zu berück-sichtigen, dass eine allfällige Stornogebühr umso geringer ausfällt, je früher die Stornierung erfolgt. Das Zuwarten darf jedoch nicht dazu führen, dass eine Umbuchung der Reise auf ein neues Urlaubsziel für den Kunden unmöglich wird.

Der OGH billigt dem Reiseveranstalter zu, dass er einem Wunsch nach kostenlosem Rücktritt ein Angebot auf eine zumutbare (und kostenlose) Umbuchung entgegenhalten kann. Gibt es nicht gute Gründe, die Umbuchung abzulehnen - diese Gründe sollten schriftlich dokumentiert werden - dann muss die Umbuchung vom Reisenden akzeptiert werden. Diese Judikatur bezieht sich nur auf Pauschalreisen, kann aber auch analog auf reine Flüge angewandt werden, wenn diese direkt in das betroffene Gebiet führen.

TIPPS:

  1. Sie sollten unabhängig von einer allfälligen Stornogebühr klären, ob Sie / Ihre Familie die gebuchte Reise antreten oder - im Hinblick auf eine Gefährdung - nicht reisen wollen.
  2. Nehmen Sie Kontakt mit Ihrem Reiseveranstalter auf und versuchen Sie eine gemeinsame Lösung zu finden.
  3. Wenn der Reiseveranstalter Ihnen eine kostenlose Umbuchung auf eine gleichwertige andere Reise anbietet, müssen Sie diese annehmen, sofern nicht gute Gründe dagegen sprechen. Ist das Alternativangebot aus Ihrer Sicht nicht gleichwertig und für Sie unzumutbar, dann sollten Sie die Umbuchung schriftlich (eingeschriebener Brief - Kopie aufheben) unter genauer Angabe Ihrer Gründe ablehnen.
  4. Wenn Ihnen der Veranstalter kein zumutbares Alternativangebot machen kann, erklären Sie schriftlich (eingeschriebener Brief - Kopie aufheben), dass Sie wegen Wegfalls der Geschäftsgrundlage kostenlos vom Vertrag zurücktreten. Beachten Sie jedoch, dass die Frage, ob ein Wegfall der Geschäftsgrundlage vorliegt und ein kostenloses Rücktrittsrecht zusteht, immer im Einzelfall zu beurteilen und letztendlich von einem Gericht zu entscheiden ist. Wenden Sie sich daher für eine Einschätzung Ihres konkreten Falles an die Service-Hotline „Gefahr am Urlaubsort" des Europäischen Verbraucherzentrums Österreich (01/ 58877 63 oder reisen@europakonsument.at). 
  5. Falls der Reiseveranstalter trotzdem eine Stornogebühr verlangt, zahlen Sie diese nur mit dem Vermerk „vorbehaltlich rechtlicher Klärung und Rückforderung". Damit vermeiden Sie, dass Ihnen der Veranstalter bis zur Klärung der Angelegenheit hohe Mahnspesen verrechnet, ohne jedoch die Stornogebühr anzuerkennen.
  6. Falls Sie über eine Rechtsschutzversicherung verfügen, können Sie Ihren Fall hinsichtlich einer allfälligen Klage prüfen lassen. Ohne Hilfe einer Rechtsschutzversicherung sollte eine Klage aufgrund des zu erwartenden Prozesskostenrisikos sehr gut überlegt werden.
  7. Es ist wichtig, nicht zuletzt für den Fall eines Gerichtsverfahrens, seriöse Medienberichte über die Lage am Urlaubsort zur Zeit der Stornierung zu sammeln, um die Gründe für die Stornierung gut dokumentieren zu können. Sehr wichtig sind in diesem Zusammenhang auch die Reiseinformationen des Außenministeriums zum jeweiligen Urlaubsziel. 

Weiter Informationen sowie Musterbriefe zu diesem Thema finden Sie auf der Website des Europäischen Verbraucherzentrums Österreich.

Broschüren des Sozialministeriums zum Thema Pauschalreisen und Flug:

Bezüglich weiterer Fragen betreffend das Thema Pauschalreise und Flug möchten wir auch auf unsere Broschüren „Die Koffer sind gepackt - Praktische und rechtliche Informationen zur Pauschalreise " und „Fliegen ohne Turbulenzen" hinweisen. Diese können beim Broschürenservice des Sozialministeriums heruntergeladen oder über die Broschüren Hotline 01/ 71100 862525 bestellt werden.

Die Koffer sind gepackt - Praktische und rechtliche Informationen zur Pauschalreise:
Es gibt vieles, was Sie als KonsumentInnen wissen sollten, wenn Sie eine Reise buchen. Worauf ist bei Vertragsabschluss zu achten, müssen Preisänderungen hingenommen werden, was passiert wenn Se stornieren müssen? Diese und viele andere Fragen, die sich vor Reiseantritt ergeben können, sowie Hinweise zu Reklamation und Ihren Rechten am Urlaubsort bzw. nach der Rückkehr finden Sie in dieser Broschüre.

Fliegen ohne Turbulenzen:
Diese Broschüre widmet sich den häufigsten Problemen und Fragestellungen, die rund ums Fliegen auftreten können - angefangen bei nützlichen Grundbegriffen und Informationen zum Vertragsabschluss über die Rechte und Pflichten bei Nichtbeförderung, Annullierung und Verspätung bis zu dem Fall, dass Ihr Gepäck nicht rechtzeitig ankommt, beschädigt wird oder gar verloren geht.


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