Silvester - ein Rausch aus farbigen Sternen und Rauch (31.12.2018)

... muss das sein?

© Photo of Julie Tupas on unsplash

Was wäre Silvester ohne die zahlreichen Feuerwerke um Mitternacht, die die Städte und auch manche ländliche Gegenden in bunte Sterne hüllen und durch Geräusch und Geruch eine besondere Stimmung bewirken?

Beim Silvesterfeuerwerk werden in Österreich durchschnittlich zehn Millionen Euro in Form von Raketen und Knallkörpern im wahrsten Sinne des Wortes "in die Luft geblasen", informiert das Umweltbundesamt auf seiner Internetseite.


5 Argumente, die Ihnen die Entscheidung Für und Wider leichter machen sollten

1. Hohe Verletzungsgefahr

Die häufigsten Verletzungen durch Pyrotechnik betreffen Augen, Ohren und Hände. Jedes Jahr landen Menschen mit Verletzungen durch Feuerwerkskörper in der Notaufnahme - mit Verbrennungen oder Augenverletzungen bis hin zu dauerhaften Hörschäden. In Deutschland erleiden jährlich 8.000 Menschen zu Silvester Verletzungen des Innenohrs durch Feuerwerkskörper.

Nicht selten sind auch Sachbeschädigungen durch Feuerwerkskörper. Brände verursachen laut Umweltbundesamt zu Silvester jährlich Schäden in Millionenhöhe.


2. Lärmbelästigung vor allem für Tiere

Häufig werden die Feuerwerkskörper am Rande von Städten oder in Parks und anderen Gegenden abgefeuert, wo sich bereits Wildtiere befinden. Sie versetzt vor allem der Lärm in große Unruhe. Der von Feuerwerkskörpern ausgehende Lärm kann einen Schalldruckpegel von bis zu 170 Dezibel erreichen. Das Umweltbundesamt verglich: der Lärmpegel eines Düsentriebwerkes in 25 Meter Entfernung beträgt etwa 140 Dezibel. Für ältere Menschen, Kleinkinder sowie Wild- und Haustiere bedeute das bei anhaltender Dauer des Feuerwerks einen großen Stressfaktor.


3. Feinstaubbelastung

In Nächten auf den 1. Jänner steigt die Feinstaubbelastung in vielen Städten auf die höchsten Werte des ganzen Jahres. Zwischen 100 und 150 Millionen Euro jagen zB. die Deutschen zum Jahreswechsel in die Luft. Dabei werden rund 4.500 Tonnen Feinstaub (PM10) freigesetzt; diese Menge entspricht in etwa 15,5 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge und circa 2,25 Prozent aller PM10-Emissionen (2016).

Das Einatmen von Feinstaub gefährdet die menschliche Gesundheit. Die Wirkungen reichen von vorübergehenden Beeinträchtigungen der Atemwege über einen erhöhten Medikamentenbedarf bei Asthmatikern bis zu Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Problemen.


4. Problematische Arbeitsbedingungen in der Feuerwerksindustrie

Die Feuerwerksindustrie bleibt gefährlich: In China, dem weltweit größten Produzenten pyrotechnischer Produkte, starben 2017 mindestens 17 Menschen bei Explosionen. Und auch in Indien, Mexiko, Portugal und Indonesien kam es zu tödlichen Unfällen. So flog im Oktober 2017 eine Feuerwerksfabrik in der Nähe der indonesischen Hauptstadt Jakarta in die Luft. Besonders tragisch: Unter den 48 Todesopfern befanden sich mehrere Minderjährige, darunter drei 14-jährige Mädchen.

„Kinderarbeit in der Feuerwerksindustrie ist in so gut wie allen Staaten streng verboten. Das heißt aber leider nicht, dass es sie nicht mehr gibt", so Reinhard Heiserer von Jugend Eine Welt. „Oftmals schauen die Behördenvertreter weg oder haben einfach nicht die Kapazitäten, um das Problem einzudämmen. Vor allem, wenn es sich um Heimarbeit in abgelegenen Dörfern handelt, wo Feuerwerkskörper in mühsamer Handarbeit mit Schwarzpulver und Chemikalien gefüllt werden."


5. Müllproblem

1.000 Tonnen Müll entstehen pro Jahr durch abgebrannte Böller und Raketen. Schwermetallpartikel, die dem Feuerwerk Farbe geben, werden nach der Explosion ebenfalls freigesetzt. Darunter finden sich laut Experten Strontium, Arsen, Blei, Selen oder Cäsium. Diese Schwermetalle gelangen in Böden und in stehende Gewässer. 
In den Altstoffsammelzentren dürfen Feuerwerkskörper ausnahmslos nicht angenommen werden. Auch die Polizeidienststellen übernehmen keine pyrotechnischen Gegenstände - sie sind nur für Schieß- und Sprengmittel sowie Kriegsrelikte zuständig, so der Abfallverband: Pyrotechnik-Händler haben die gesetzliche Verpflichtung, falsch gezündetes oder defektes Feuerwerk, das sie selbst verkauft haben, zurückzunehmen.

Was wäre Silvester ohne ...

Immer mehr Städte schränken den traditionellen Silvesterbrauch des Feuerwerks ein oder verbieten ihn ganz, wie beispielsweise Paris, wo stattdessen eine eindrucksvolle Licht- und Lasershow beim Eiffelturm geplant ist. Auch in Graz fällt das offizielle Feuerwerk auf dem Schlossberg aus.

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