Funkchips im Alltag (26.09.2011)

So klein, so effizient, so gefährlich?

Die größten der so genannten Radio Frequency Identification Chips oder tags sind gerade mal ein mal ein Milimeter groß. Es handelt sich dabei um Transponder, also Geräte, die eingehende Signale aufnehmen und beantworten. Das tun sie ohne direkte Kontakte zu den Lesegeräten zu haben; allerdings ist kein allzu großer Abstand möglich. Überall, wo früher ein Strichcode üblich war und weit darüber hinaus, ist der Einsatz von RFID denkbar.

VerbraucherInnen sind die Systeme vor allem bei Karten für Skilifte oder Hallenbäder bekannt. TierhalterInnen unter Ihnen sind wahrscheinlich die Chips zurm Nachweis der Impfungen ihres Lieblings ein Begriff. Im Handel werden solche Systeme in der Warenlogistik verwendet um die Nachvollziehbarkeit der Herkunft von Produkten und damit die Qualitätskontrolle zu vereinfachen. Aber auch im Gesundheitswesen, zB. zur Identifikation der entsprechenden Transfusionslösungen oder in der Bargeldlogistik kommen derartige Identifikationschips zur Anwendung.

So weit, so gut. Kritisch wird die Sache dann, wenn solche System zur Identifizierung auch von Menschen genutzt werden ohne dass diese davon wissen. Denkbar wäre das zB. durch den Verkauf von Kleidung, die mit solchen Chips versehen sind (Erst im Frühjahr dieses Jahres wurde der deutsche Big Brother Award - ein Negativpreis für Datenschutzverletzungen - an das europäische Modelabel Peuterey vergeben, weil das Label die Datenschutzrechte seiner Kunden verletzt und seine Produkte heimlich mit RFID-Chips ausgestattet hat.).

Grundsätzlich unterliegt die Einführung und Nutzung von RFID Systemen den datenschutzrechtlichen Bestimmungen des Datenschutzgesetzes (DSG), wobei im Hinblick auf VerbraucherInnen  insbesondere die Bestimmungen bezüglich Erhebung, Verarbeitung und Übermittlung von Daten, die Informationspflichten des Auftraggebers und die Rechte der Betroffenen zu beachten sind.

Die Ausstattung von Waren oder Verpackungen sowie größeren Gebindenzur eindeutigen Identifikation und Nachverfolgbarkeit mit RFID tags ist per se  vergleichbar mit der Anbringung von EAN Codes. Über deren Verwertbarkeit hinausgehend erlaubt jedoch die RFID Technologie wesentlich weitere Einsatzmöglichkeiten durch die Verknüpfung mit weiteren Datenbanken. Dadurch könnte sich bei unkontrolliertem Einsatz von RFID die Vision des gläsernen Menschen verwirklichen.

Nun stellt zwar das DSG ein sicherlich brauchbares Grundgerüst zur Vermeidung von Missbrauchsmöglichkeiten; im Hinblick auf die geringe Größe der tags und der damit verbundenen Gefahr des für VerbraucherInnen nicht erkennbaren Einsatzes könnte jedoch auch legistischer Bedarf gegeben sein. Derzeit existiert zu diesem Problembereich lediglich eine Empfehlung der Europäischen Kommission und ein Rahmen für die anwendenden Branchen zur Folgenabschätzung vor Inbetriebnahme.


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