Flying home for Christmas (27.08.2012)

oder die Frage nach Fluggastrechten bei einem annullierten Flug

Quelle: Microsoft

Der Stoff aus dem vorweihnachtliche Hauptabendfilme sind: Junge Frau bucht Flug für 20. Dezember, um Heiligabend im Kreise ihrer Liebsten feiern zu können. Flug wird wegen heftigen Schneetreibens ersatzlos gestrichen. Fluggesellschaft ist nicht erreichbar. In letzter Sekunde kann ein Ersatzticket gebucht werden. Allen Widrigkeiten und Zwischenaufenthalten zum Trotz erreicht die Filmheldin am 23. Dezember ihr Ziel. Und endlich: Familie samt Heldin verschlingt in grün-rot gehaltenen Pullovern Karpfen - optional Schinken.

Und wer ersetzt die Kosten?

Was also geschieht nach der letzten Szene?

Die Antwort auf diese Frage erhält man bei Lektüre eines recht ähnlich gelagerten Falles, den das Bezirksgericht für Handelssachen (BGHS) Wien jüngst zu entscheiden hatte. Darin hielt das BGHS Wien fest, dass nach der Europäischen Fluggastrechteverordnung gilt, dass VerbraucherInnen bei der Annullierung eines Fluges Ausgleichsansprüche gegen die ausführende Fluggesellschaft (Achtung: dabei handelt es sich nicht zwingend um jene, bei der man gebucht hat, sondern um jene, die den Flug tatsächlich durchführen soll) geltend machen können. Die Fluggesellschaft kann von dieser Verpflichtung nur entbunden werden, wenn ihr der Nachweis gelingt, dass ein außergewöhnlicher Umstand, wie etwa ein Schneechaos oder andere Naturgewalten, zu der Annullierung führten und sich diese auch nicht hätten vermeiden lassen, wenn alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen worden wären. Gelingt dieser Nachweis nicht, erhalten nicht beförderte Passagiere je nach zurückzulegender Distanz eine Ausgleichszahlung von mindestens 250 bis maximal 600 Euro.


Was passiert, wenn die Fluggesellschaft nicht erreichbar ist?

Damit aber noch nicht genug, muss man sich nämlich wie die Heldin aus Film und Wirklichkeit, weil die Fluggesellschaft nicht erreichbar ist, selbst um einen (erheblich teureren) Rückflug kümmern und diesen auch bezahlen, erhält man auch die Kosten dieses Fluges erstattet. Dies ergibt sich ebenfalls aus der Fluggastrechteverordnung.

Demnach haben PassagierInnen zusätzlich Anspruch auf eine Unterstützungsleistung in Form einer Erstattung oder anderweitigen Beförderung. Diese Leistungen gebühren anders als bei den zuvor erwähnten Ausgleichszahlungen auch dann, wenn ein außergewöhnlicher Umstand vorliegt.

Wichtig dabei ist, dass die Fluggesellschaft bei Annullierung eigentlich verpflichtet ist jedem Passagier von sich aus schriftliche Informationen über diese Ansprüche und die Unterstützungsleistungen zu erteilen. Eine Nachfrage der VerbraucherInnen ist grundsätzlich nicht erforderlich. Bleibt die Fluggesellschaft aber untätig und bietet weder Information noch Unterstützungsleistung an, sind VerbraucherInnen berechtigt, selbst einen Rückflug zu organisieren und die Kosten von der Fluggesellschaft zu fordern.

Tipp: Achten Sie bei Flügen, die annulliert werden darauf, ob Sie von der Fluggesellschaft über Ihre Rechte informiert werden. Auf eine Unterstützungsleistung in Form einer Erstattung oder anderweitigen Beförderung haben Sie jedenfalls Anspruch. Unter Umständen sind Sie auch berechtigt selbst eine Heimreise zu organisieren und die Erstattung der Kosten zu fordern. Achten Sie dabei aber darauf, eine Beförderung zu wählen, die vergleichbare Reisebedingungen als die ursprünglich geplante, aufweist. Die Kosten für ein upgrade in die 1. Klasse etwa muss die Fluggesellschaft nicht übernehmen.

Mehr zu Ihren Rechten als Fluggast finden Sie hier und in unserer Broschüre "Fliegen ohne Turbulenzen - Reisen II" (siehe Download)!


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