Erste Verurteilung eines Schlüsseldienstes wegen Sachwucher (19.01.2019)

Weitere Urteile sind zu erwarten

© Photo by rawpixel on unsplash

Die Fälle sind alle ähnlich gelagert: verzweifelte Konsumentinnen und Konsumenten, die sich ausgesperrt haben und auf die Schnelle im Internet einen Aufsperrdienst in der Umgebung suchen. Dort stoßen sie mittels Online-Anzeigen auf vermeintlich im Inland befindliche Schlüsseldienste. Vor Ort erscheinen dann aber meist Mitarbeiter/innen deutscher Unternehmen und verrechnen für ihre teilweise mangelhaft durchgeführten Arbeiten überhöhte Beträge von bis zu 1.600 Euro. Wir haben darüber berichtet.

Erste Verurteilung in Tirol

Insbesondere Tiroler Schlüsseldienste sind starker Konkurrenz durch dubiose Firmen mit Firmensitz im Ausland, überwiegend aus Deutschland, ausgesetzt. Zum Teil verfügen diese Firmen nicht über die notwendigen Berechtigungen. Im Kampf gegen die unseriösen Aufsperrdienste legte die Arbeiterkammer Tirol der Staatsanwaltschaft Innsbruck zahlreiche Fälle aus ihrer Beratungspraxis vor. Ein - soweit ersichtlich - erstes Urteil wurde kürzlich am Landesgericht Innsbruck gefällt: Der Angeklagte wurde wegen Sachwuchers zu einer teilbedingten Geldstrafe verurteilt.

Und weitere Gerichtsverfahren stehen bereits bevor: in 20 weiteren Fällen aus Tirol wurde Anklage erhoben. Österreichweit sind derzeit rund 100 Fälle bei Staatsanwaltschaften und Gerichte.


Tipps

An dieser Stelle seien nochmal unsere Tipps in Erinnerung gerufen, die Sie vor unseriösen Angeboten schützen sollen:

  • Speichern Sie sich bereits vorweg die Telefonnummer eines seriösen Fachbetriebs (Schlüsseldienst, Installateur, ...) ins Telefon ein, damit Sie ihn für den Fall der Fälle parat haben.
  • Wenn Sie im Internet nach einem Dienstleister suchen, sollten Sie nicht achtlos das erstbeste Ergebnis wählen (Vorsicht bei bezahlten Anzeigen). Achten Sie auf das Impressum der Webseite (wo ist der Unternehmenssitz?). Führen Sie gegebenenfalls eine kurze Internetsuche mit dem Firmennamen durch. Unter Umständen wird vor dem Unternehmen bereits gewarnt, etwa auf der Watchlist Internet (https://www.watchlist-internet.at/).
  • Klären Sie mit Ihrer Haushaltsversicherung oder Kreditkartenfirma ab, ob sie die Vermittlung eines seriösen Dienstleisters anbietet und eventuell auch die Kosten übernimmt.
  • Bestehen Sie bereits telefonisch auf einem Fixpreis. Sollte vor Ort mehr verlangt werden, zahlen Sie nicht mehr als vereinbart und lassen Sie sich allenfalls einen Zahlschein geben.
  • Bei Verdacht auf Betrug: Rufen Sie sofort die Polizei (133) und fotografieren Sie die Nummerntafel. Verweigern Sie die Barzahlung vor Ort und bestehen Sie auf einer Übermittlung der Rechnung.
  • Nutzen Sie die Watchlist Internet, um sich über unseriöse Dienstleister zu informieren und auch andere vor Betrügern zu warnen, sollten Sie negative Erfahrungen gemacht haben. Auf der Internetplattform können entsprechende Vorfälle gemeldet werden. Die Webseite bietet auch einen Newsletter an.

Für Konsumentinnen und Konsumenten aus Tirol

Mit Hilfe eines Webportals www.schluesseldienste-tirol.at versucht die Wirtschaftskammer Tirol diesen unlauteren Angeboten entgegen zu steuern. Hier besteht die Möglichkeit, nach Schlüsseldiensten in der Umgebung zu suchen, die seriöse Aufsperrdienste anbieten. Dieses Webportal enthält die Telefonnummern und Kontaktdaten aller Tiroler Firmen, die über eine entsprechende Berechtigung verfügen.

Schnellsuche