Das große Insektensterben (05.03.2019)

Was es bedeutet und was wir jetzt tun müssen

© oekom verlag

Mit sehr persönlichen Erinnerungen an das Naturerleben seiner Kindheit, steigt Andreas Segerer in das Thema ein. Ohne Zweifel haben viele Menschen eine zwiespältige bis panisch-ablehnende Beziehung zu Insekten. »Doch erfüllt jede Art im Ökosystem ihren jeweiligen Zweck«, betont der Autor und erläutert, warum wir diese Tiere dringend brauchen.

Saubere Windschutzscheiben als Hinweis für den drohenden Untergang

Wenn Sie schon seit mehreren Jahren mit dem Auto unterwegs sind, ist Ihnen vielleicht schon aufgefallen, dass auch im Sommer die Scheiben viel weniger von Insekten verschmutzt sind als früher. Auch Studien bestätigen diese Beobachtung und sehen sie als einen der Beweise für den Rückgang der Insektenpopulation.

Düstere Prognosen werden aufgestellt: „Das Insektensterben ist Indiz einer ökologischen Katastrophe von erdgeschichtlichem Ausmaß. Sie bedroht die Funktionalität der planetaren Ökosysteme und damit auch unmittelbar unsere eigene Existenzgrundlage."

Der Autor zeigt auf, wie alles ineinandergreift und wieso wir sogar die lästigen Stechmücken als wichtigen Teil der Biodiversität brauchen. Als Verursacher des Desasters werden genannt:

  •  veränderte Landnutzung
  • Klimawandel
  • Invasive Arten; biologischen Einwanderung von Arten die sich stark ausbreiten und dadurch die biologische Vielfalt und die heimischen Ökosysteme gefährden (z.B. Tigermücken, asiatische Marienkäfer, amerik. Grauhörnchen verdrängen das europäische Eichhörnchen)
  • Raubbau an natürlichen Ressourcen
  • Umweltverschmutzung

Dass auch die Politik, z.B. wegen fehlender Gesetze und falscher Subventionssysteme, einen nicht unerheblichen Anteil an dieser Entwicklung haben kann, wird ebenso kritisch beschrieben.


Vielfalt verzaubert und heilt

Zum Glück zeigt uns die Co-Autorin Eva Rosenkranz einen Ausweg aus diesen düsteren Zukunftsprognosen. Ihr Plädoyer für die Artenvielfalt und was wir in der Praxis dafür tun können, gibt wieder ein wenig Hoffnung. Dem resignierten „Wir sind dann mal weg" stellt sie ein „Wir fangen schon einmal an (die Welt zu retten)" gegenüber.

Im zweiten Teil des Buches werden u.a. bei Insekten besonders beliebte Blühpflanzen vorgestellt und Maßnahmen, die den Krabbeltieren helfen zu überleben.

Auch in der Landwirtschaft findet ein Umdenken statt und wird immer mehr erkannt, dass die Vielfalt und der Artenschutz unser aller Überleben sichert. Die von ihr vorgestellten (deutschen) Initiativen zur Rettung der Insekten sind in Österreich zwar nicht zu finden, allerdings gibt es hierzulande andere Organisationen die sich dieses Themas angenommen haben.

Alles in allem ein sehr sorgfältig recherchiertes, detailgenaues Werk das spannend zu lesen ist und auch Zweiflern an der Umweltzerstörung klarmacht, warum es notwendig ist, konsequent und aktiv etwas gegen das dramatische Insektensterben zu tun.

Andreas H. Segerer, Eva Rosenkranz
Das große Insektensterben

Was es bedeutet und was wir jetzt tun müssen
oekom verlag München, 2018
ISBN-13: 978-3-96238-049-6

 


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