Ab in den Süden! Teil 7 der Reiseserie (29.06.2011)

Reisemängel - Was tun?

Baulärm statt Ruheoase

Baulärm statt Ruhe, Schmutz im Swimmingpool und Felsen statt dem versprochenen Sandstrand - endlich am Urlaubsort angelangt, erleben so manche Konsumentin, so mancher Konsument eine herbe Enttäuschung.

Was können Sie als Konsumentin/Konsument tun?

Wie schon in Teil 1 beschrieben, gilt der Grundsatz der Prospektwahrheit. Das bedeutet, dass alles was im Reiseprospekt beschrieben wird, als zugesagte Eigenschaft einer Pauschalreise gilt. Der Reiseveranstalter muss - unabhängig ob ihn ein Verschulden an Mängeln trifft oder nicht - für diese versprochenen Leistungen einstehen. Werden die Leistungen nicht in der vereinbarten Form erbracht, spricht man von Mängeln und die Kunden haben Rechte auf Gewährleistung.

Das bedeutet, dass man in erster Linie gleich vor Ort Verbesserung verlangen sollte. Eine Verlegung in ein anderes Zimmer oder Hotel kann den Mangel beheben und den Urlaub retten. Dafür muss man auch keine Aufzahlung leisten.

Wenn der Mangel nicht verbessert werden kann (aus der Felsenbucht wird kein Sandstrand) oder einfach nicht verbessert wird, dann sollte man Beweise sichern : Fotos und Videos von den Baumaschinen die lärmen, Namen und Adressen (günstig auch Handynummern und e-mail) von Leidensgenossen und schriftliche Bestätigungen von der Reiseleitung, dass man die Mängel entsprechend gerügt hat.

Aus dem Urlaub zurückgekehrt, kann man nun Preisminderung gegen den Reiseveranstalter geltend machen. Dabei sollte man (mit eingeschriebenem Brief) die Mängel kurz darstellen und dann beziffern, welchen Betrag man rückerstattet verlangt.

Um einen Anhaltspunkt zu finden, wie viel man für welche Mängel zurückverlangen kann, ist die Frankfurter Liste für Reisepreisminderung (siehe unten als Download) eine gute Hilfe. Sie beinhaltet jene Prozentsätze, die nach der Judikatur eines Frankfurter Reiserechtssenates für die typischen Mängel angemessen erachtet wird. Auch die österreichischen Gerichte orientieren sich an dieser Liste. Es ist aber niemand - kein Gericht oder Veranstalter - gezwungen, genau die Prozentsätze zu bezahlen, die sich in der Liste finden. Das müsste im Einzelfall - kommt es zu keiner außergerichtlichen Einigung - das Gericht entscheiden.

Trifft den Reiseveranstalter oder seine Erfüllungsgehilfen am verpatzten Urlaub gar ein Verschulden , dann steht neben der Gewährleistung auch Schadenersatz zu. Wenn also ein verdorbenes "All-Inclusive-Buffet" Brech-Durchfall und Bettruhe bringt, statt dass man den erhofften Urlaub genießen kann, dann hat man auch Anspruch auf Schadenersatz für Heilungskosten und Schmerzengeld. Wichtig ist in solchen Fällen die umfassende Dokumentation des Ausmaßes der Erkrankungen (Liste der erkrankten Urlauber in der Anlage) und die Dokumentation des eigenen Krankheitsverlaufes (ärztliche Atteste, Stuhlproben, ...).

Seit 1.1.2004 sind auch immaterielle Schäden für entgangene Urlaubsfreude zu ersetzen. Das bedeutet, dass man in Österreich Ersatz in Geld verlangen kann, wenn die Reise zur Gänze oder doch weitgehend vereitelt wird. Österreichische Gerichte legen einen (zu) strengen Maßstab an und haben in den letzten Jahren in der Regel 20 bis 30 Euro pro Tag und Person zugesprochen (im Vergleich dazu: die deutschen Gerichte sprechen 50 - 70 Euro pro Tag und Person zu).

Bei Preisminderung ebenso wie bei Schadenersatz haben Sie Anspruch auf Geldersatz: Sie müssen sich nicht mit einem Gutschein abspeisen lassen.

Gewährleistungsansprüche müssen binnen 2 Jahren ab Rückkehr aus dem Urlaub, Schadenersatzansprüche binnen 3 Jahren ab Eintritt des Schadens gerichtlich geltend gemacht werden. Doch es empfiehlt sich, seine Ansprüche so rasch wie möglich geltend zu machen, um nicht in Beweisnotstand zu geraten.

Lesen Sie dazu Näheres auf Konsumentenfragen.at sowie in unserer Broschüre (siehe Download)!


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