Ab in den Süden! Teil 6 der Reiseserie (20.06.2011)

Reisen trotz Behinderung

Clip Art

Viele von uns reisen heutzutage gerne und viel, vor allem auch, weil das Reisen mit jedem Jahr unkomplizierter und bequemer wird. Hat man aber eine wie auch immer geartete Beeinträchtigung, zB. als RollstuhlfahrerIn oder aufgrund des Alters, tut man sich schon viel schwerer.

Für diese Personengruppe war das Reisen oft mit Frustrationserlebnissen verbunden. Fluglinien verlangten zum Beispiel von RollstuhlfahrerInnen, auch wenn diese bis auf ihre Behinderung kerngesund waren, stets ein ärztliches Attest über die Flugtauglichkeit. Das war natürlich diskriminierend. 

In den letzten Jahren hat sich in diesem Bereich vor allem aufgrund diverser Gesetzesinitiativen der Europäischen Union im Bereich Passagierrechte vieles verbessert. So regeln einschlägige EU-Verordnungen zu den Bereichen Flug-, Eisenbahn-, Schiffs- (gilt erst ab 18.12.2012) und Autobusfernverkehr (gilt erst ab 1.3.2013), dass behinderten Reisenden und solchen mit eingeschränkter Mobilität nicht aus Gründen der Behinderung der Transport verweigert werden darf.

Gerechtfertigt ist die Verweigerung der Beförderung nur in ganz klar geregelten und sachlich gerechtfertigten Fällen, wie zum Beispiel um geltenden Sicherheitsanforderungen nachzukommen. Aber auch in diesem Fall muss vom betroffenen Unternehmen nach Möglichkeit eine annehmbare Alternative angeboten werden.

Nichts desto trotz  können behinderte Reisende in Einzelfällen noch immer auf gravierende Schwierigkeiten stoßen. Das zeigt das Beispiel eine Dame im Rollstuhl, die mit einer - auf Behindertenbetreuung spezialisierten - Organisation auf Urlaub nach Spanien fuhr. Der Transport wurde entgegen der Reiseausschreibung nicht mit dem Flugzeug, sondern mit einem Kleinbus durchgeführt, was wesentlich beschwerlicher war. Auch vor Ort war die Betreuung durch die MitarbeiterInnen des Unternehmens äußerst mangelhaft, so dass schlussendlich für die Konsumentin statt eines erholsamen Urlaubs nur viel Ärger, Stress und Frustration übrig blieb.

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) führte im Auftrag des Konsumentenschutzministeriums (Sozialministerium) einen Musterprozess, um die Konsumentin bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche zu unterstützen, nachdem das Unternehmen sämtliche Ersatzforderungen zurückgewiesen hatte. Das Verfahren endete mit einem für die Konsumentin zufriedenstellenden Vergleich.

Bei Problemen, die während einer Reise oder Beförderung auftreten, sollten sich Betroffene mit ihrem Anliegen zunächst an das Beschwerdemanagement des Verkehrsunternehmens oder des Reiseveranstalters wenden. Sollte es zu keiner befriedigenden Lösung kommen, ist eine mögliche Ansprechstelle die Behindertenanwaltschaft (Babenbergerstraße 5/4, A- 1010 Wien, 0800 80 80 16, office@behindertenanwalt.gv.at).

Weitere Anlaufstellen

Für Flugreisende:

Servicestelle für Fluggastrechte im Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (Postfach 3000, Radetzkystraße 2, 1030 Wien, 01/711 62 65 9204, fluggastrechte@bmvit.gv.at)

Für Bahnreisende:

Schlichtungsstelle bei der Schienen Control GmbH (Praterstraße 62-64/6. Stock, 1020 Wien, 01/5050707, schlichtungsstelle@scg.gv.at)

Weitere Informationen speziell zum Thema Flugreisen für Menschen mit Behinderung und eingeschränkter Mobilität finden Sie in der Broschüre des Sozialministeriums„Fliegen ohne Turbulenzen" ab Seite 23. Diese können Sie hier downloaden:


Weitere Downloads:
- EU-Verordnung 1107/2006 über Passagierrechte von behinderten Flugeisenden und Flugreisenden mit eingeschränkter Mobilität

- EU-Eisenbahn-Passagierrechte-Verordnung 1371/2007


Schnellsuche