Ab in den Süden! Teil 5 der Reiseserie (16.06.2011)

Welche Rechte haben Sie, wenn das Gepäck auf der Strecke bleibt?

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Nur wer es selbst erlebt hat, weiß um das Leid der Betroffenen: Verlassen stehen sie in einer immer leerer werdenden Flughafenankunftshalle; all die seligen Mitreisenden, die gleich nach Inbetriebnahme des Förderbandes ihr Gepäck in Empfang nehmen durften, befinden sich bereits in Bussen und Taxis; aber jene Unglücklichen bleiben einsam und ohne Koffer zurück. Oder jene anderen, nicht minder zu Bedauernden, die - noch vor allen Mitreisenden - ihr Hab und Gut aus einem schwer lädierten Koffer quellen sehen - Ihre intimsten Wäscheteile der gaffenden Menge ausgesetzt; leider ein häufiges Bild auf unseren Flughäfen.

Wer kümmert sich um diese Personen? Welche Rechte stehen ihnen zu? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der fünfte Teil unserer Reiseserie. Zunächst einmal wären die Gepäckschäden zu nennen. Darunter fallen die Zerstörung, die Beschädigung, aber auch der Verlust von Gepäcksstücken. Wer einen solchen Schaden zu beklagen hat, darf mit einer Entschädigung bis zur Höchstgrenze von ca. € 1.150,-- rechnen. Wer teureres Gepäck mit sich führt, hat die Möglichkeit, sich gegen einen höheren Schaden abzusichern. Dazu müssen Sie den Wert Ihres Gepäcks deklarieren und einen entsprechenden Zuschlag bezahlen.

Für jene Schäden, die am Gepäckstück (Koffer, Tasche) selbst aufgetreten sind, haftet das Luftfahrtunternehmen jedenfalls. Schäden am Handgepäck werden nur gutgemacht, wenn das Unternehmen diese verschuldet hat.

Aber auch die Verspätung von Gepäcksstücken kann einen Schaden darstellen. Auch dieser wird bis zu einer Höchstgrenze von ca. €  1.150,-- ersetzt. Trifft beispielsweise Ihr Gepäck verspätet am Urlaubsort ein, so können Sie sich dringend benötigte Dinge (Toiletteartikel, notwendige Kleidungsstücke) kaufen und dem Unternehmen in Rechnung stellen. Dabei sollten Sie stets beachten, dass Sie sich Vorteile anrechnen lassen müssen, die Sie durch die Verspätung bekommen. So werden zwar Toiletteartikel vom Unternehmen zur Gänze bezahlt, Kleidung üblicherweise jedoch nur zur Hälfte, weil Sie diese auch verwenden können, sobald Ihr verspätetes Gepäck wieder bei Ihnen ist. Sie trifft auch eine Schadensminderungspflicht in der Form, dass Sie nicht nur die teuerste Kleidung kaufen können, sondern Sie sind verpflichtet, den Schaden im Rahmen vertretbarer Qualität möglichst gering zu halten.

Zu Beachten ist schließlich, dass hinsichtlich der Schadensmeldungen Fristen einzuhalten sind: Schäden an aufgegebenem Gepäck müssen binnen 7 Tagen ab Annahme des Gepäcks, Schäden aus der Gepäcksverspätung längstens binnen 21 Tagen ab der Entgegennahme des Gepäcks bei der Fluglinie schriftlich geltend gemacht werden. Eine Schadenersatzklage muss innerhalb von 2 Jahren eingebracht werden. Grundlage für die eben skizzierten Ansprüche ist das Montrealer Übereinkommen 1999, das mittlerweile auf sehr viele (aber nicht alle) Luftbeförderungsverträge anwendbar ist.

Noch mehr zu diesem Thema finden Sie in unserer Broschüre "Fliegen ohne Turbulenzen".


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