Ab in den Süden! - die Reiseserie (23.05.2011)

Teil 2 - Pauschalreise versus Individualreise

Quelle: pixelio.de

Die Pauschalreise - für die einen uein Greuel, für die anderen eine bequeme Art zu reisen. Egal wie man zur Pauschalreise steht, eines ist sicher: dadurch ist Reisen in viele Länder der Welt leistbarer geworden! Außerdem sind Pauschalreisende gegenüber Individualreisenden durch eine EU-Richtlinie besser gestellt.  

Was ist eine "Pauschalreise"?

Der Begriff der "Pauschalreise" wurde in der Richtlinie festgelegt und bedeutet jede im Voraus festgelegte Verbindung von zumindest zwei der folgenden Dienstleistungen, 

  • Beförderung
  • Unterkunft oder
  • andere touristische Leistungen, die nicht bloß Nebenleistung der Beförderung oder Unterkunft sind und einen beträchtlichen Teil der Gesamtleistung ausmachen (z.B. die Buchung eines Mietwagens für eine Mietwagenrundreise oder das Fitnessprogramm bei einem Aktivurlaub).

Zusätzlich muss die Reise zu einem Gesamtpreis verkauft oder zum Verkauf angeboten werden, und länger als 24 Stunden dauern oder eine Nächtigung einschließen.

Wer ist Ihr Ansprechpartner - Reiseveranstalter oder Reisevermittler?

Für das Gesamtpaket bleibt der Reiseveranstalter Ihre Ansprechperson! Das Reisebüro, an das Sie sich wenden, übernimmt nur die Vermittlung, dh das vermittelnde Reisebüro haftet nicht für die Erbringung der bestellten Leistungen! Eine Ausnahme besteht dann, wenn das Reisebüro keinen Veranstalter nennt oder sich selbst klar als Veranstalter ausgibt.

Was sind die Vorteile einer Pauschalreise?

  • Absicherung im Falle der Insolvenz des Reisebüros oder des Veranstalters

    Insolvenz des Veranstalters: Damit ist gesichert, dass Sie bei Entfall der Reise ihr Geld zurückbekommen bzw. vom Urlaubsort zurück nach Hause transportiert werden (z.B. kostenloser Rückflug). Auch geleistete Anzahlungen erhalten Sie zurück.

    Insolvenz des Vermittlers (in der Regel Ihr Reisebüro): Zahlungen, die Sie an den Vermittler geleistet haben, gelten als an den Veranstalter erbracht, der auch dann die Reise für Sie durchführen muss, auch wenn er kein Geld vom Vermittler erhalten hat.

    WICHTIG! Prüfen Sie Ihre Unterlagen, ob alle wichtigen Angaben zur Insolvenzabsicherung enthalten sind, z.B. ob der Veranstalter im Veranstalterverzeichnis beim BMWFJ eingetragen ist, wem gegenüber Sie Ihre Ansprüche geltend machen müssen, etc.

  • Nominierung einer Ersatzperson

    Können Sie die Reise nicht antreten, dann können Sie eine Ersatzperson nennen! Sie ersparen sich unter Umständen hohe Stornokosten.

  • Versprochen ist versprochen.

    Für Pauschalreisen gilt der in Teil 1 angesprochene Grundsatz der Prospektwahrheit, sprich: was Reiseprospekt oder Internetseite schildern, gilt als zugesagte Eigenschaft - allerdings nur, wenn das in der Buchungsbestätigung nicht korrigiert wurde.

  • Gewährleistungsansprüche (dazu Näheres in den nächsten Wochen)

    Bei Problemen können Sie gleich vor Ort kostenlose Verbesserung verlangen. Kann der Mangel nicht verbessert werden, z.B. Felsenbucht statt Sandstrand, sollten Beweise gesichert werden, z.B. Fotos, Videos, Kontaktdaten von anderen Betroffenen. ,  Sie sollten sich unbedingt von der örtlichen Reiseleitung schriftlich bestätigen lassen, dass Sie die Mängel vor Ort gerügt haben.

    Zurück in der Heimat kann man mittels eingeschriebenem Brief Preisminderung gegenüber dem Reiseveranstalter geltend machen: Mängel darstellen und Forderungen geltend machen. Als Orientierungshilfe dafür dient die Frankfurter Liste (siehe unten als Download).

  • Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreude (auch dazu Näheres in den nächsten Wochen) 
    Erkrankt man durch ein verdorbenes Buffet, hat man Anspruch auf Schadenersatz für Heilungskosten und Schmerzengeld. In manchen Fällen kann Ersatz für entgangene Urlaubsfreude gefordert werden. Richtwert: 50 bis 70 Euro pro Tag/Person.

  • Preiserhöhungen (z.B. Treibstoffkosten, etc.) sind nur bedingt zulässig.
    Für alle Reisen gilt, dass zwischen Vertragsabschluss und Reiseantritt mehr als 2 Monate liegen muss und die Gründe der Preiserhöhung konkret umschrieben und vom Willen des Unternehmers unabhängig sind.

    Für Pauschalreisen im Besonderen gilt, dass Nachzahlungen, z.B. für Treibstoffkosten, höchstens bis zum 20. Tag vor der Abreise eingefordert werden können. Preiserhöhungen von mehr als 10 Prozent müssen nicht akzeptiert werden - der kostenlose Rücktritt ist in diesem Fall möglich.

"Dynamic Packaging"

Darunter versteht man eine in den letzten Jahren entstandene Vertriebsform im Internet, bei welcher die Reise, ähnlich einem Baukasten, zusammengestoppelt wird(z.B. checkfelix). In manchen Fällen ist eine Beurteilung, ob eine Pauschalreise vorliegt oder nicht, nicht leicht. In den meisten Fällen deklarieren sich aber diese Internetportale lediglich als Vermittler.

WICHTIG! Ist für den Konsumenten ersichtlich, dass ihm lediglich Leistungen verschiedener Anbieter getrennt vermittelt werden, dann liegt kein Pauschalreisevertrag vor. Anders liegt unter Umständen der Fall, wenn durch einen angebotenen Gesamtpreis der Eindruck entsteht, das Reiseportal sei der direkte Ansprechpartner.

Haben Sie Fragen zu Pauschalreise, Abgrenzungsschwierigkeiten bei einer Internetbuchung, Gewährleistungsansprüche etc, dann wenden Sie am besten an eine Verbraucherorganisation (VKI, etc.)!

Zum Nachlesen stehen Ihnen auch unsere Broschüren zum Download zur Verfügung:


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