Resilienz - der Schlüssel zu mehr Chancengleichheit im Bildungsbereich (12.02.2018)

PISA-Sonderauswertung: Anteil resilienter SchülerInnen steigt

© S. Hofschlaeger / pixelio.de

Eine allgemeingültige Definition von Resilienz gibt es nicht. Aus dem Lateinischen kommend (resilire - abprallen, zurückspringen) wird in der englischen Sprache „resilience" mit Spannkraft, Widerstandsfähigkeit und Elastizität übersetzt. Ursprünglich stammt der Begriff aus der Physik und bezeichnet in der Werkstoffkunde hochelastische Materalien, die nach jeder Verformung wieder ihre ursprüngliche Form annehmen.

Seit den 1970er Jahren wird unter Resilienz vermehrt die psychische Widerstandsfähigkeit von Menschen bei Risikobelastungen verstanden. Speziell im Zusammenhang mit Kindern werden zum Beispiel jene als resilient bezeichnet, die in einem ungünstigen sozialen Umfeld aufwachsen, das durch Risikofaktoren wie zum Beispiel Armut oder Gewalt udgl. gekennzeichnet ist, und die sich dennoch zu erfolgreich sozialisierten Erwachsenen entwickeln.


Studien seit den 70er Jahren

1977 veröffentlichte die amerikanische Entwicklungspsychologin Emmy Werner eine Studie: sie begleitete 40 Jahre lang 700 Kindern auf der Hawaiinsel Kauai, die zu einem knapp 1/3 unter äußerst schwierigen Verhältnissen aufwuchsen: Armut, Krankheit der Eltern, Vernachlässigung, Gewalt in der Familie, Misshandlung, niedriger Bildungsstand der Eltern, etc..

Das Ergebnis war interessant: Zwar fielen 2/3 dieser „Risikokinder" als Jugendliche durch Lern- oder Verhaltensstörungen auf, wurden straffällig oder psychiatrisch auffällig; gleichzeitig aber entwickelte sich ein Drittel dieser Kinder erstaunlich positiv. Sie waren erfolgreich in der Schule und in das soziale Leben integriert.


PISA und Resilienz

Auch in der Bildungsforschung hat der Begriff der Resilienz Eingang gefunden und wird als wichtiger Indikator für Qualität und Chancengleichheit im Bildungssystem gesehen. „Der Zusammenhang von Sozialhintergrund und Bildungsleistung ist nicht naturgegeben.", so Bildungsforscher und Pisa-Koordinator Andreas Schleicher.
 
So erhob PISA zweimal (2006 als auch 2015) den Anteil resilienter SchülerInnen, also jener SchülerInnen, die trotz ihres ungünstigen sozioökonomischen Hintergrunds im PISA-Test solide Leistungen zeigen. In 19 von 51 an PISA teilnehmenden Ländern hat sich der Anteil von SchülerInnen, die trotz ihrer sozialen Benachteiligung Kompetenzen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften erworben haben, erhöht. Deutschland zeigt hier den größten Zuwachs: der Anteil resilienter SchülerInnen ist zwischen 2006 und 2015 von 25 auf 32,3 Prozent gestiegen.

Österreich ist hingegen im Ranking zurückgefallen. Waren es 2006 noch knapp unter 30%, sind es 2015 nur mehr knapp über 20% der SchülerInnen, die als resilient bezeichnet werden können.


Einflussfaktoren

Wenig Einfluss darauf haben weder kleinere Klassen noch eine bessere Ausstattung mit Computern. "Die Masse an Technologie hat keinerlei Zusammenhang mit Resilienz oder Bildungsleistung! Einen positiven Einfluss haben offensichtlich schulische Aktivitäten jenseits des Unterrichts", kommt Schleicher zum Ergebnis.

Zusätzlich ist ein gutes Schul- und Lernklima förderlich: eine niedrige Lehrerfluktuation, eine offene Kommunikation und vertrauensvolle Beziehungen zwischen LehrerInnen und SchülerInnen. Ebenso entscheidend ist eine motivierende Schulleitung, „der es gelingt, das Lehrerkollegium von einer gemeinsamen Mission zu überzeugen und auf strategische Ziele und Ergebnisse auszurichten."*


Fazit

Resiliente Personen, egal ob jung oder alt, haben gelernt, „dass sie es sind, die über ihr eigenes Schicksal bestimmen. Sie vertrauen nicht auf Glück oder Zufall, sondern nehmen die Dinge selbst in die Hand. Sie ergreifen Möglichkeiten, wenn sie sich bieten. Sie haben ein realistisches Bild von ihren Fähigkeiten."**

Junge Menschen, gleichgültig welchen sozialen Background sie haben, zu befähigen, Probleme selbständig zu lösen, die richtigen Entscheidungen zu treffen und letztlich das Leben selbstbewusst zu meistern, ist ein Ziel, das mitunter auch die Schule und Lehrkräfte tragen.

Die Studie endet mit sogenannten „Handlungsempfehlungen aus der Praxis" und soll Anregungen geben, wie vor allem benachteiligte SchülerInnen besser unterstützt werden können und ein solches Schul- und Klassenklima hergestellt werden kann, das bei den SchülerInnen die "Resilienz-Ressourcen" zutage bringt.

*  Ausschnitt aus der Studie (siehe unten als Download)
**Zitat von der Website https://www.zartbesaitet.net/  


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